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Gesundheit
Oberösterreich
20. Februar 2018

Arena-Analyse: Die Versorgung der Zukunft braucht Netzwerke

Von der Neuordnung der Primärversorgung bis zur bereichsübergreifenden Pflege: Eine aktuelle Analyse zeigt zentrale Handlungsfelder für das oberösterreichische Gesundheitswesen auf.

Schon in den kommenden vier bis fünf Jahren wird sich das Gesundheitswesen spürbar für alle Patientinnen und Patienten ändern. Digitalisierung, Alterspyramide und Fachkräftemangel zählen zu den größten Treibern der Veränderungen. So lautet im Kern der Befund der Arena Analyse mit dem Titel "Herausforderungen und Chancen im Oberösterreichischen Gesundheitswesen“, die kürzlich in Linz präsentiert wurde. Erstellt wurde der Bericht aus einer Befragung von fast 100 Expertinnen und Experten von Kovar & Partners in Kooperation mit der Vinzenz Gruppe.

Die befragten Expertinnen und Experten sind sich einig, dass für eine nachhaltig gute Gesundheitsversorgung vor allem drei Themen ausschlaggebend sind:

  • Die Vernetzung der Angebote im intra-und extramuralen Bereich
  • Die Nutzung der Digitalisierung sowohl bei Verwaltung als auch bei der Behandlung
  • Die Nutzung des Gesundheitssektors als zukunftsweisende Wachstumsbranche

"Smarte Ideen für Oberösterreich!“,
Mag. Christine Haberlander, Landesrätin für Bildung, Frauen und Gesundheit

„Die Arena Analyse enthält viele smarte Ideen, um das Gesundheitsland Oberösterreich weiterzuentwickeln“, erklärte Mag. Christine Haberlander, Landesrätin für Bildung, Frauen und Gesundheit, bei der Präsentation im Ars Electronica Center in Linz. In der Medizinischen Fakultät Linz ortet sie großes Potenzial, das es im Interesse der Gesundheit und der Wirtschaft gemeinsam zu heben gilt. „Wir sind die einzige Universität, die die Ausbildung zur Allgemeinmedizin als Schwerpunkt bietet“, so Haberlander.

Mag. Dr. Andrea Wesenauer, Direktorin der OÖ. Gebietskrankenkasse, wies darauf hin, dass viele Patientinnen und Patienten auf einer zu hohen Versorgungsstufe einsteigen, ohne dass dies notwendig sei. Viele gehen gleich ins Krankenhaus anstatt zum niedergelassenen Arzt. Das verursacht hohe Kosten und führt dazu, dass es oft lange dauert, bis sie an der richtigen Stelle landen. Wesenauer fordert daher: „Patientinnen und Patienten müssen durch das System begleitet werden!“

Die Gesundheitsökonomin MMag. Maria Hofmarcher-Holzhacker spricht sich dafür aus, unterschiedliche Finanzierungstöpfe im Gesundheitssystem zusammenzuführen. Dies sei eine Grundvoraussetzung für die Weiterentwicklung durch Vernetzung. „Der Gesundheitssektor in Oberösterreich ist wie überall eine zukunftsweisende Wachstumsbranche. Investitionen in diesen Sektor und in die Attraktivität von Gesundheitsberufen sind zu stärken“, fordert die Gesundheitsökonomin.

Als „überraschend“ bezeichnete Walter Osztovics, Mitautor der Analyse, in seiner Präsentation, dass das Spital zunehmend zu einer bedeutenden Drehscheibe im Gesundheitswesen wird. Schon in absehbarer Zeit werde es eine vielfältige Vernetzung mit niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten, neue Formen der Arbeitsteilung sowie mehr Schnittstellen zum Pflegebereich geben.

Eine große Stärke des Oberösterreichischen Gesundheitswesens liege in der außerordentlich großen Kooperationsbereitschaft, berichtet Prim. Univ-Doz. Dr. Ansgar Weltermann (Ordensklinikum Linz): „Das Miteinander funktioniert in Oberösterreich besser als anderswo und ist eine große Chance.“ Es müssten jedoch Strukturen geschaffen werden, um ein noch effizienteres Netzwerken zu ermöglichen und es allen Trägern zu ermöglichen, sich bei der Medizinischen Fakultät Linz einzubringen.

Zusammenarbeit im Netzwerk

„Das Miteinander ist ein Grund dafür, dass das Gesundheitswesen in Oberösterreich sehr gut dasteht. Diese Analyse ist ein Beitrag, um miteinander über die Zukunft nachzudenken“, erklärt Dr. Michael Heinisch, Geschäftsführer der Vinzenz Gruppe. Ziel müsse es sein, noch stärker als bisher integriert zu denken, verstärkt über Netzwerke statt über Strukturen zu sprechen und regionale Lösungen zu entwickeln: „One fits all – das funktioniert nicht“, so Dr. Heinisch. Alle Spitalsträger müssten höchstes Interesse daran haben, dass die Medizinische Fakultät Linz ein Erfolg wird. „Wichtig ist, die Rollenverteilung zu klären und zu definieren, wofür die Fakultät und die einzelnen Krankenhäuser jeweils zuständig sind“, betont Dr. Heinisch.

Die Arena Analyse wurde von Kovar & Partners durchgeführt und hat das Ziel, sogenannte "Emerging Issues" zu identifizieren und zu analysieren. Die Arena Analyse „Herausforderungen und Chancen im oberösterreichischen Gesundheitswesen“ steht auf der Website der Vinzenz Gruppe unter folgendem Link zum Download zur Verfügung: www.vinzenzgruppe.at

Was ist eine Arena Analyse?

Die „Arena Analyse“ ist eines der zentralen Instrumente, um sich einen Überblick über aufkommende Themen zu verschaffen. Sie beruht auf der Befragung von Expertinnen und Experten; so ist es möglich, Themen von morgen, ihre Hintergründe sowie deren künftige gesellschaftliche Bedeutung schon heute zu erkennen.

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