INnovation
Gesundheit
Oberösterreich
11. April 2018

„Besser zuhause“: Ein Angebot gegen den Drehtür-Effekt

Im Alltag wieder Fuß fassen: Das ist für betagte Menschen nach einem Aufenthalt im Krankenhaus nicht einfach. Oft ist eine geriatrische Remobilisation notwendig, die erst recht wieder im Spital erfolgt. Das Pilotprojekt „Besser zuhause“ bietet Patientinnen und Patienten ein maßgeschneidertes Therapieprogramm und gezielte soziale Unterstützung in den eigenen vier Wänden – als Zusatzangebot und nicht für jeden, wie Altersmediziner Dr. Hendrik Koller erklärt.

Was ist das Ziel von „Besser zuhause“?

Koller: Speziell hochbetagte Menschen, die wegen einer akuten Erkrankung im Krankenhaus behandelt werden, sind nach dem Spitalsaufenthalt oft sehr geschwächt. Sie stürzen häufig und verlieren die Fähigkeit, im Alltag selbst für sich zu sorgen. Für diese Menschen steht mit „Besser zuhause“ nun ein echtes Disease Management Programm zur Verfügung. Es zielt darauf ab, die Wiederaufnahmen im Krankenhaus und die Einweisungen in stationäre Rehabilitationseinrichtungen zu reduzieren.

Ist eine mobile geriatrische Remobilisation tatsächlich in jedem Fall die bessere Lösung?

Medizinische Leistungen zu den Patientinnen und Patienten nach Hause zu bringen, ist ein internationaler Trend, denn es bietet viele Vorteile. Die Menschen verbleiben in ihrer gewohnten Umgebung, die Therapieziele können spezifisch auf diese Umgebung abgestimmt werden. Angehörige können mit eingebunden werden, das Risiko für Krankenhausinfektionen wird minimiert. Aber Voraussetzung ist, dass die betreffenden Patientinnen und Patienten dafür geeignet sind und die Rahmenbedingungen passen.

Wie stellen Sie fest, ob das so ist?

Ob ein Patient in das Programm aufgenommen werden kann, entscheidet sich in einem geriatrischen Assessment. Beurteilt werden dabei medizinische Parameter, aber auch emotionale und soziale Aspekte. Die Frage lautet: Ist der Patient, die Patientin stabil, fit und motiviert genug? Ist das der Fall, erfolgen alle Interventionen nach dem Assessment zuhause.

Wie sieht das konkret aus?

Wir entwickeln für jeden Patienten ein maßgeschneidertes Therapieprogramm zur Verbesserung von Funktionalität, Mobilität und Alltagsautonomie. Dazu gehören auch die Überprüfung der Medikation und der Wohnraumsicherheit, ein Programm zur Sturzvermeidung, das auf längere Sicht selbständig durchgeführt werden kann, sowie gegebenenfalls psychologische Betreuung.

Wer ist für diese Maßnahmen verantwortlich?

Die Interventionen erfolgen in einem Team, bestehend aus einem Geriater, einer klinischen Pharmazeutin, Physio- und Ergotherapeuten, einer Psychologin und einer Koordinatorin. Auch Hausarzt und Überleitungspflege sind eingebunden. Das Programm dauert zwischen vier und sechs Wochen, mit regelmäßigen Besuchen und jeweils rund fünf Therapieeinheiten pro Woche. Die Therapieintensität ist gleich wie im Krankenhaus. Fortschritte und Probleme werden in wöchentlichen Teamsitzungen besprochen.

Soll diese mobile geriatrische Remobilisation die mobile Pflege ersetzen?

Keinesfalls, denn hier geht es nicht um Versorgung und Pflege, sondern um ein Therapieprogramm. „Besser zuhause“ ist also eine sinnvolle Ergänzung, kein Ersatz. Es kann eventuell im Einzelfall bewirken, dass keine Altenpflege mehr nötig ist.

Wie viele Patientinnen und Patienten werden derzeit betreut?

Das Programm umfasst derzeit sieben Patientenplätze, es wären aber wesentlich mehr Patientinnen und Patienten dafür geeignet. Derzeit kommen alle aus dem Raum Linz. Insgesamt wurden bisher etwas mehr als 30 Patientinnen und Patienten ins Programm aufgenommen; drei Viertel davon sind älter als 75 Jahre, das Durchschnittsalter beträgt 82 Jahre.

Oberarzt Dr. Hendrik Koller ist Leiter der Akutgeriatrie am Ordensklinikum Linz Elisabethinen.

Kommentare
Um Kommentare zu posten ist es erforderlich, dass Sie sich anmelden.
Sollten Sie noch keinen Account haben, können Sie sich hier registrieren.
Zu diesem Artikel gibt es noch keine Kommentare