INnovation
Gesundheit
Oberösterreich
20. Februar 2018

Eine smarte Gesundheitspolitik

Die wichtigsten Ergebnisse der Expertenbefragung in der Arena-Analyse.

94 Expertinnen und Experten haben im Rahmen der Arena-Analyse ihre Prognosen für die nächste Zukunft des oberösterreichischen Gesundheitswesens abgegeben. Diese lassen sich in sieben Handlungsfelder für eine “smarte Gesundheitspolitik” zusammenfassen:

Primärversorgung:

Der Aufbau neuer Strukturen in der Primärversorgung zählt zu den wichtigsten gesundheitspolitischen Themen. Gefragt sind dabei maßgeschneiderte Modelle, die auf spezifische Anforderungen der jeweiligen Region eingehen. Vernetzung und Digitalisierung werden die Primärversorgungszentren prägen. Um den Versorgungsdruck aus den landarztarmen Gemeinden zu nehmen, könnten diese Zentren in Zukunft auch von “Dorfschwestern” unterstützt werden.

Das Spital der Zukunft

„Einer der großen Trends im Krankenhaus lautet Kooperation und Spezialisierung“, so ein Experte in der Arena-Analyse. Es wird immer weniger Spitäler geben, die „alles“ anbieten. Gefragt ist ein maßgeschneidertes Angebotsprofil. Die Digitalisierung wird in die gewohnten Abläufe in den Spitälern eingreifen: Das Management von Patientendaten wird eine der Schlüsselfunktionen der medizinischen Versorgung werden. Die Digitalisierung wird zusätzlich die Organisation vereinfachen – von kürzeren Wartezeiten bei Untersuchungen bis hin zu interdisziplinären Teambesprechungen via Videokonferenz.

Engere Zusammenarbeit der verschiedenen medizinischen Berufsgruppen

Die Zusammenarbeit zwischen Krankenhaus und niedergelassenem Bereich wird besser und somit enger werden. Ein Szenario lautet: Die Krankenhäuser werden als zentrale Drehscheibe der Gesundheitsversorgung an Bedeutung gewinnen, durch Vernetzung mit dem niedergelassenen Bereich, aber auch als Schnittstelle mit dem Sozial- und dem Pflegebereich. Entscheidend werden für die jeweilige Region maßgenschneiderte Lösungen sein. Ein System für alle wird nicht funktionieren.

Neue Medizinberufe

Die Betreuung von Patientinnen und Patienten wird immer stärker arbeitsteilig und erzeugt Bedarf nach neuen Spezialberufen. „Es werden Berufe auftauchen, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können“, so ein Experte in der Arena-Analyse. Die Liste reicht vom Medizin-Mathematiker über Anästhesietechnischen Assistenten und Funktionsdiagnostiker bis zum Gesundheitsinformatiker und viele mehr.

Bereichsübergreifende Pflege

„Pflege und Betreuung werden wachsende Bedeutung erhalten: Sie werden unfinanzierbar, wenn wir sie nicht auf völlig neue Beine stellen“, warnt ein Experte in der Arena-Analyse. Zusätzlich droht in der Pflege ein Mangel an ausgebildeten Fachkräften. Verschärft wird die Situation durch eine immer kürzere Verweildauer im Krankenhaus und fehlende intensive nachklinische Betreuungseinrichtungen. Deshalb müssen in der Langzeitpflege neue Strukturen geschaffen werden, denn auch die Pflegeleistung von Familienangehörigen wird kontinuierlich sinken. Es könnten neue, stärker durch Selbstorganisation getragene Pflegeformen wir etwa private Mikro-Träger oder Pflege- Genossenschaften entstehen. Ein weiteres Szenario lautet: Integration der Pflege in den Gesundheitsbereich mit einer stärkeren organisatorischen Anbindung an Krankenhäuser.

Medizinische Fakultät Linz

Die Medizinische Fakultät und das Kepler Universitätsklinikum haben im Technologie-Land Oberösterreich gute Chancen, zu einer Einrichtung für Spitzenmedizin und Forschung zu werden – es müssen aber auch die Synergien mit anderen Krankenhausbetreibern genutzt werden. In Oberösterreich muss daher ein Forschungs- und Lehrnetzwerk auf Basis der bereits bestehenden Kompetenzzentren entwickelt werden, das die Kompetenzen und Einrichtungen an die Medizinische Fakultät anbindet, so die Empfehlungen in der Arena-Analyse. Kompetenzzentren müssen auch weiterhin in anderen Spitälern möglich sein.

Wachstumsbranche Gesundheit

Das Gesundheitssystem sollte nicht nur unter dem Aspekt der Kosten gesehen werden, sondern auch als kräftig wachsender Wirtschaftszweig mit hoher Wertschöpfung. Investitionen in diesen Sektor, insbesondere in die Forschung, stellen eine Chance für Oberösterreich dar.

Die Arena Analyse wurde von Kovar & Partners durchgeführt und hat das Ziel, sogenannte "Emerging Issues" zu identifizieren und zu analysieren. Die Arena Analyse „Herausforderungen und Chancen im oberösterreichischen Gesundheitswesen“ steht auf der Website der Vinzenz Gruppe zum Download zur Verfügung – bitte hier klicken.

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