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Gesundheit
Oberösterreich
18. Dezember 2018

Den Tagen mehr Leben geben

Die Palliativstation am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Ried unterstützt seit 20 Jahren unheilbar kranke Menschen in einer schwierigen Lebensphase.

Wenn es ihr wieder schlecht geht, kommt Frau Maier für einen Aufenthalt von einigen Tagen auf die Palliativstation des Krankenhauses der Barmherzigen Schwestern Ried. Dort wird ihre Schmerzmedikation wieder neu eingestellt und es wird versucht, die Verdauung besser zu regulieren. Auf die Gespräche mit den Ärztinnen und Ärzten, Pflegepersonen und der Sozialarbeiterin freut sich Frau Maier sehr. Sie fühlt sich auf der Station gut aufgehoben trotz der Umstände, die ihre unheilbare Erkrankung mit sich bringt. Wenn sie wieder stabil ist, kehrt Frau Maier in ihr häusliches Umfeld mit mobiler Krankenpflege zurück.

Die Palliativstation am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Ried feiert heuer ihr 20jähriges Bestehen. 1998 betraten die Ordensschwestern mit der Idee, dass unheilbar kranke Menschen etwas anderes brauchen als ein Akutkrankenhaus normalerweise bieten kann, Neuland. Heute ist die Palliativmedizin ein anerkannter Teil des österreichischen Gesundheitswesens und fixer Bestandteil einer umfassenden Patientenbetreuung.

Der ärztliche Leiter der Palliativstation, Dr. Christian Roden beschreibt es so: „Unheilbar kranke Menschen und deren Angehörige befinden sich in einer Lebenssituation, die besondere Aufmerksamkeit und Unterstützung braucht. Für unser multiprofessionelles Team steht an erster Stelle, ihre Bedürfnisse ernst zu nehmen und ihnen, soweit das möglich ist, gerecht zu werden“. Dies gilt für den Wunsch möglichst schmerzfrei zu sein, nicht unter Übelkeit, Atemnot und Unruhe zu leiden oder einfach nicht alleine gelassen zu werden. Es geht grundsätzlich darum, den betroffenen Menschen ganzheitlich Fürsorge zukommen zu lassen.

Das ganzheitliche Betreuungskonzept Palliative Care, das auch für die Palliativstation St. Vinzenz wegweisend ist, schließt neben der körperlich-medizinischen und psychischen Dimension auch die spirituelle Dimension und die sozialen Beziehungen mit ein.

Die Betreuung erfolgt auf der Palliativstation, in der Ambulanz oder beratend auf allen Fachabteilungen des Akutkrankenhauses, besonders in der onkologischen Tagesklinik.

Die Palliativstation

Auf der Palliativstation St. Vinzenz stehen zehn Einzelzimmer mit ruhiger und freundlicher Atmosphäre zur Verfügung. Alle Zimmer haben einen Zugang zur Terrasse. Die Zimmer können von den Patienten nach ihren Bedürfnissen mit persönlichen Gegenständen wie Bildern, Fotos etc. gestaltet werden und bieten auch eine Schlafgelegenheit für Angehörige. Darüber hinaus gibt es auf der Station ein Gästezimmer, das ebenfalls von Angehörigen benutzt werden kann. Ein Raum der Stille steht allen Konfessionen offen und ist auch der Platz, an dem regelmäßig Gedenkfeiern veranstaltet werden.

Nicht nur stationäre, sondern auch ambulante Patientinnen und Patienten werden auf der Palliativstation betreut.

In den letzten Jahren ist der Bedarf an Expertenwissen zu speziellen schmerztherapeutischen Fragestellungen gewachsen. Auch für die Therapie belastender Symptome wie Atemnot, Übelkeit oder Verstopfung oder die Versorgung von Wunden und Gespräche über Therapieziele steht der so genannte Palliativ-Konsiliardienst bereit.

„Die intensive Auseinandersetzung mit den schwerkranken Menschen und ihren Bedürfnissen ist für mich eine sinnerfüllende Aufgabe in einem Medizinsystem, das uns immer mehr die Grenzen des sinnvoll Machbaren aufzeigt“

Was bewegt Menschen dazu, auf einer Palliativstation zu arbeiten?

„Mein Bestreben ist es, jeden Tag den Ansprüchen nach umfassender Wahrung der Patientenautonomie und ethisch reflektiertem Einsatz der vorhandenen therapeutischen Maßnahmen gerecht zu werden. Die intensive Auseinandersetzung mit den schwerkranken Menschen und ihren Bedürfnissen ist für mich eine sinnerfüllende Aufgabe in einem Medizinsystem, das uns immer mehr die Grenzen des sinnvoll Machbaren aufzeigt“, so der ärztliche Leiter der Palliativstation, Dr. Christian Roden.

Maria Berghammer arbeitet seit sieben Jahren auf der Palliativstation des Rieder Schwerpunktspitals: „Ich habe es noch nie erlebt, dass wir nicht zu einem passenden Ergebnis gekommen wären. Wir können auf der Palliativstation noch sehr viel für die Patientinnen und Patienten tun, auch wenn sie nicht wieder gesund werden können. Das macht meine Arbeit hier so positiv.“

Der regelmäßige Austausch im Team hilft den hier Arbeitenden dabei, belastende Situationen gut zu verarbeiten.

Ehrenamt

Schon ein Jahr nach der Eröffnung der Palliativstation hat man hier mit der Ausbildung von ehrenamtlichen Mitarbeitenden in Lebens- Sterbe- und Trauerbegleitung begonnen. Die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterstützen das hauptamtliche Stationsteam. Sie ermöglichen über die medizinisch-pflegerische Betreuung hinaus eine intensive, ganzheitliche Betreuung unserer Patientinnen und Patienten. Jährlich bieten die ehrenamtlich Mitarbeitenden auch Veranstaltungen zum kreativen Umgang mit Trauer an und gestalten regelmäßig Gedenknachmittage

Dass die Palliativstation ein Ort des Lebens und nicht des Sterbens ist, zeigen die gesammelten Daten: mehr als ein Drittel der Patientinnen und Patienten kann die Station wieder verlassen.

Nähere Informationen unter www.bhs-ried.at

Zahlen/Daten/Fakten zur Palliativstation seit 1998

Aufnahmen

Gesamt:

4192

Erkrankungen

Krebserkrankungen

2754

Andere Erkrankungen

1438

Alter:

Jüngste/r Patient/in

15

Älteste/r Patient/in

104

Durchschnittsalter:

73,3

Geschlecht:

Frauen:

2264

Männer:

1928

Entlassungen

entlassen:

1731

verstorben:

2461

Verweildauer in Tagen:

min:

1

max:

281

Durchschnitt:

12,6

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