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Gesundheit
Oberösterreich
20.10.2021

"In den nächsten Wochen wird sich das Bild drehen!"

Für Franz Schützeneder, den Impfkoordinator des Landes Oberösterreich, wird die größte Herausforderung schon bald nicht mehr der Mangel an Covid-19-Impfstoffen sein, sondern deren möglichst rasche und breite Verteilung.

Sie sind seit zwei Monaten Impfkoordinator für ein großes Bundesland – war das Ihr Traumjob?

Franz Schützeneder: Ich hatte in meiner bisherigen beruflichen Laufbahn immer wieder viel mit Organisationsarbeit zu tun. Etwa als Leiter des Familienreferates und beim Aufbau der OÖ Familienkarte. Mit der jetzigen Tätigkeit ist das natürlich nicht  zu vergleichen. Aber offenbar traut man mir das organisatorische Geschick zu, das man als Impfkoordinator benötigt. Das freut mich. Gleichzeitig hoffe ich auch, dass ich diesen Job nicht mehr lange mache, denn das würde bedeuten, dass das Impfen rasch und gut vorangeht. Ein normaler Arbeitstag dauert momentan bis 21, 22 Uhr. Ich übernachte in der Garconnière meines Sohnes in Linz, weil sich die tägliche Heimfahrt nach Weyregg nicht ausgehen würde. Aber es ist zweifellos eine spannende und wichtige Aufgabe.

Was sind dabei die größten Herausforderungen?

Wir haben die bundesweite Impfstrategie umzusetzen, daran halten wir uns. Wir müssen bei jeder Entscheidung darauf achten, alle gleich zu behandeln und niemand zu bevorzugen. Es sind viele Augen auf uns gerichtet, die das ganz genau beobachten. Noch haben wir Mangelversorgung mit Impfstoffen, aber die Situation wird sich massiv ändern. Dann werden wir alle Hände voll zu tun haben, um zusammen mit externen Systempartnern dafür zu sorgen, dass nichts liegenbleibt und keine Überschüsse entstehen.

"Wir müssen bei jeder Entscheidung darauf achten, alle gleich zu behandeln und niemand zu bevorzugen."

Wann wird es soweit sein?

Ich hoffe, dass sich in den nächsten Wochen, im April, das Bild drehen wird. Auch wenn sich die Zahlen der zu erwartenden Impfdosen immer wieder ändern, wobei wir bei der Zuteilung zu 100 Prozent vom Bund abhängig sind. Wir müssen auch mögliche Kürzungen mit einberechnen und extrem flexibel reagieren. Aber ich gehe davon aus, dass wir schon bald alle verfügbaren Kanäle brauchen, um die Impfstoffe breit auszurollen.

Welche Kanäle meinen Sie konkret?

Eine zentrale Rolle werden die Impfstraßen in den Regionen spielen. Wir versuchen derzeit, den maximalen Durchsatz zu finden. Er ist noch sehr unterschiedlich, zwischen 18 und 50 Geimpften pro Stunde, abhängig vom Personal und Impfsetting. Wir vergeben Timeslots, um möglichst optimale Abläufe zu erzielen. Dazu kommen als weitere wichtige Schiene die niedergelassenen Ärzte, die nun begonnen haben, Hochrisikopatienten und deren engste Kontaktpersonen zu impfen. Damit haben wir neben den Krankenanstalten einen vertrauten Partner für die Impfungen dieser sensiblen Patientengruppe. Einen großen Anteil an den bisherigen 150.000 Impfungen haben die Bezirksverwaltungsbehörden, wo wir bisher die Hochbetagten bezirksweise geimpft haben.

Wie werden die Impfstoffe verteilt? 

Die Distribution ist sicher ein entscheidender Faktor. Der Pharmagroßhandel, der für die Verteilung zu den Impfstellen zuständig ist, selbst schafft maximal einhundert Lieferungen pro Tag. Geplant ist, die Apotheken in die Vor-Ort-Verteilung zu den niedergelassenen Ordinationen einzubinden und dadurch etwas flexibler zu werden. Mit der Auslieferung beginnt ja gerade beim BioNTtech/Pfizer-Impfstoff ein Wettlauf mit der Zeit, er ist ab diesem Zeitpunkt nicht mehr tiefgefroren und muss binnen vier Tagen verimpft werden.

Stichwort Krankenanstalten: Wie ist der Stand bei der Impfung des Gesundheitspersonals, und wie hoch ist die Impfbereitschaft?

Beim priorisierten Gesundheitspersonal sind wir mit den Erstimpfungen durch, teilweise auch schon mit den Zweitimpfungen, was aber naturgemäß vom Impfintervall abhängt.  Die Impfbereitschaft liegt bei allen Zielgruppen über 50 Prozent, und wir stellen fest, dass jene, die sich vorerst nicht impfen ließen, nun oft im Nachhinein Bedarf anmelden. 

Wann kann der „Durchschnittsoberösterreicher“, der keiner priorisierten Gruppe angehört, mit einer Impfung rechnen?

Ich gehe davon aus, dass ab Juni beziehungsweise mit Ende des zweiten Quartals die Impfungen für die breite Bevölkerung offen sein werden. Das ist natürlich immer davon abhängig, welche Impfstoffe in welcher Menge zur Verfügung gestellt werden. 

"Ich gehe davon aus, dass ab Juni beziehungsweise mit Ende des zweiten Quartals die Impfungen für die breite Bevölkerung offen sein werden."

Wird dies das Ende der Pandemie in Oberösterreich bedeuten?

Ich bin Betriebswirt, kein Mediziner. Die Entwicklung in den Alten- und Pflegeheimen – wo Oberösterreich bei der Durchimpfung das schnellste aller Bundesländer war – ist sehr positiv. Die Zahl der Todesfälle in diesem Bereich ist bereits enorm gesunken. Auch die Hospitalisierungen sind massiv zurückgegangen. Das Bild ist jedoch ambivalent, weil nun die Ansteckungen wieder zunehmen. Vieles wird in der künftigen Entwicklung auch von den Virusmutationen abhängen, und natürlich kommt es ganz stark auf die Impfbereitschaft der Bevölkerung an. Aber ich bin positiv gestimmt: Wenn die benötigten Impfstoffkapazitäten da sind und die entsprechenden Rahmenbedingungen hohe Durchsätze ermöglichen, wird vieles leichter werden.

Sind Sie selbst schon geimpft?

Leider nein. Aber ich lasse mich regelmäßig testen. Schließlich arbeiten beim Krisenstab des Landes ein Dutzend Leute – mit Maske – in einem Großraumbüro. Würde der Krisenstab wegen Corona ausfallen, wäre das schon heftig.

Interview: Josef Haslinger; Bild: Land OÖ

Franz Schützeneder, Mag.

Impfkoordinator des Landes Oberösterreich

Der 51-jährige Mühlviertler aus Perg, seit dem Vorjahr in Weyregg wohnhaft, hat Betriebswirtschaft studiert und 16 Jahre lang das Familienreferat des Landes Oberösterreich geleitet, ehe er im Vorjahr die Leitung der Abteilung Gesellschaft beim Amt der oö. Landesregierung übernahm. Seit Mitte Jänner ist Franz Schützeneder als Impfkoordinator des Landes für die organisatorische Umsetzung der nationalen Covid-19-Impfstrategie in Oberösterreich verantwortlich.