INnovation
Gesundheit
Oberösterreich
20.10.2021

Lernen auf Distanz

In der Hochphase der Corona-Pandemie war Distance Learning auch an der FH Gesundheitsberufe OÖ das Gebot der Stunde. Im Interview mit der Online-Plattform INGO erzählt Heide Maria Jackel, Studiengangsleitung Bachelor-Studiengang Gesundheits- und Krankenpflege, über schwierige erste Tage und die veränderten Anforderungen an das Lehr- und Forschungspersonal sowie an die Studierenden.

Wie sind Sie den besonderen Herausforderungen für Ihre Studierenden in Corona-Zeiten begegnet?

Heide Maria Jackel: Vieles musste plötzlich anders bewältigt werden, als wir es bis dahin gewohnt waren. Wir mussten die theoretische Einheit des Studiengangs „Gesundheits- und Krankenpflege“ von einem Tag auf den anderen von der konventionellen Lehre ins Distance Learning verschieben. Wir sprechen hier von 340 Studienplätzen pro Jahr in fünf Regionen. Das war zu Beginn nicht ganz einfach, dennoch hatten wir die neue Situation schnell im Griff. Durch das professionelle Zusammenarbeiten aller konnten wir rasch für eine entsprechende IT-Ausstattung und Online-Anwendungen sorgen und somit in kürzester Zeit mit der Online-Lehre starten.

Gab es erhebliche Einschnitte im Studium?

Das Distance Learning war nicht nur für die Studierenden eine massive Umstellung. Auch für das Lehr- und Forschungspersonal war die Online-Lehre eine große Herausforderung. Sowohl die Art der Lehrveranstaltung, eben digital, als auch die Durchführung war für viele Neuland: Schließlich muss man sich über Stunden hinweg stark auf einen Monitor konzentrieren. Wir haben daher das Lehr- und Forschungspersonal laufend weitergeschult, um durch die Anwendung unterschiedlicher Möglichkeiten die Online-Lehre didaktisch interessant, abwechslungsreich und zugleich fachlich korrekt zu gestalten. Ich denke, das ist uns in den drei Semestern ganz gut gelungen, denn wir haben positive Resonanz erhalten!

"Wir haben es geschafft, keine einzige Lehrveranstaltung zu verschieben. Die Studierenden konnten ihr Studium in der regulären Studienzeit absolvieren."

Das Studium besteht aus Theorie und Praxis – wie haben Sie diese beiden Anforderungen bewältigt?

Natürlich gab es bei den praktischen Trainingssequenzen im Rahmen der Lehrveranstaltungen an der FH starke Einschnitte, denn die Studierenden konnten nur in sehr kleinen Gruppen präsent sein. In der Hochphase von Corona bestanden diese aus gerade mal vier statt der üblichen zwanzig Personen. Dies zu veranstalten war eine organisatorische Herausforderung. Wir haben hierzu das Konzept etwas umgestellt und auch vom praktischen Setting einiges online durchgeführt. Dafür haben wir beim Präsenzunterricht versucht, so effizient wie möglich mit den Studierenden zu arbeiten. Die kleine Gruppe hatte bei „Hands on Lehrveranstaltungen“ den Vorteil, dass die Studierenden die sogenannten Learning outcomes methodisch-didaktisch schneller erreichen konnten.

Wie haben sich diese geänderten Maßnahmen auf die Prüfungen ausgewirkt?

Wir haben es geschafft, keine einzige Lehrveranstaltung zu verschieben. Die Studierenden konnten ihr Studium in der regulären Studienzeit absolvieren. Das freut mich und mein Team besonders, da wir heuer die ersten Absolventinnen und Absolventen in der Gesundheits- und Krankenpflege an der FH Gesundheitsberufe OÖ feiern können. Die Prüfungen fanden alle online statt – sowohl mündlich als auch schriftlich. Eine große Herausforderung war hier die Beaufsichtigung und Kontrolle der Prüflinge über die Bildschirme. Die einzige Prüfung, die in Präsenz absolviert wurde, war die sogenannte Modulprüfung in „Gesundheits- und Krankenpflege“. Dem Ablauf dieser Prüfung lag ein strenges Sicherheits- und Hygienekonzept zu Grunde. Diese Form der Einzelprüfung findet in allen Semestern statt. Als Prüfungsmethode werden Fallbeispiele verwendet. Es werden sowohl theoretische Inhalte als auch praktische Fähigkeiten, die an Simulationsmodellen durchgeführt werden, der Wissensüberprüfung unterzogen.

"Natürlich waren zu Beginn der Pandemie Ängste da. Einige Studierende haben ihr Praktikum deshalb pausiert und später fortgesetzt. Das haben wir respektiert."

Haben die Studierenden im Berufspraktikum Kontakt zu Patienten?

Ja, wenn sie beispielsweise einen Bettlagerungswechsel präsentieren müssen, geht es nicht ohne Körperkontakt. Dies passiert allerdings zunächst in den sogenannten Übungslaboren, die wir an allen Standorten haben.

Welche Rolle spielt dabei die Angst, sich auf einer Station mit dem Corona-Virus anzustecken?

Natürlich waren zu Beginn der Pandemie Ängste da. Einige Studierende haben ihr Praktikum deshalb pausiert und später fortgesetzt. Das haben wir respektiert. Laufende Videokonferenzen an allen Standorten mit allen Jahrgängen boten die Möglichkeit, den „virtuellen“ sozialen Austausch und dadurch auch dem Angstabbau gegenüber einer Infektion entgegen zu wirken. Die FH Gesundheitsberufe OÖ bot den Studierenden auch psychosoziale Betreuung an. 

Hat sich die Lage mittlerweile entspannt? 

An den Hochschulen kehren wir Schritt für Schritt zur Normalität zurück. Die 3 G-Regel ermöglicht für Lehr- und Forschungspersonal sowie Studierende eine verstärkte Rückkehr an die Studienstandorte Linz, Wels Steyr, Vöcklabruck und Ried.

Ihr Resümee nach drei Semestern Distance learning?

Wir haben im sechsten Semester zusätzlich eine Intensivtrainingswoche für die Studierenden eingerichtet, um mögliche Kompetenzen, die aufgrund der Pandemiesituation in der Praxis nur vermindert erworben werden konnten, nachzuholen. Zusätzlich evaluieren wir die vergangenen Monate, um zu sehen, wo es Verbesserungsbedarf gibt. Aus jeder Krise kann auch ein Nutzen für die Weiterentwicklung des Studiengangs abgeleitet werden. Als „Lessons learned“ werden wir künftig gezielt Lehrveranstaltungen weiterhin im Online-Format anbieten. Homeoffice wird als strukturierte Form des Arbeitens für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an der FH Gesundheitsberufe OÖ bleiben.

Interview: Rosi Dorudi; Fotos: OÖG, depositphotos.com

Heide Maria Jackel, Mag.a MBA

Studiengangleiterin des Bachelor-Studiengangs Gesundheits- und Krankenpflege an der FH Gesundheitsberufe OÖ

Jackel war ab 1991 maßgeblich am Aufbau der Gesundheits- und Krankenpflegeschule in Kirchdorf engagiert, dessen Leitung sie 1994 übernahm. 2010 begann sie mit dem Aufbau des Bachelorstudiengang Pflegewissenschaft 2 in-1 Modell Pflege am Standort in Steyr. 2013 wurde sie zusätzlich mit der Leitung der Schule am Standort Steyr betraut. Sie war maßgeblich an der Entwicklung des Bachelor-Studiengangs Gesundheits- und Krankenpflege an der FH Gesundheitsberufe OÖ beteiligt und leitet hier den Teilbereich der Curriculumsentwicklung.