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Gesundheit
Oberösterreich
16.05.2022

Reha in der Pandemie

Medizinische Reha-Leistungen bleiben auch während der Corona-Pandemie für viele Menschen unverzichtbar. Wie der stationäre Klinik-Aufenthalt trotz, mit und nach Corona funktioniert, schildert Prim. Priv. Doz. Dr. Robert Berent, ärztlicher Direktor der Herz-Reha Bad Ischl, im Gespräch mit INGO.

In der HerzReha Bad Ischl ist viel los. „Wir sind seit Monaten komplett ausgebucht und die Wartezeiten auf einen Platz sind lang“, erzählt Robert Berent. Natürlich hat der Ausbruch der Corona-Pandemie einiges verändert. Anfangs waren sogar viele Patienten aufgrund der Ausgangsbeschränkungen stark verunsichert und sind ferngeblieben. „Die Behandlung eines chronischen Leidens lässt sich jedoch nicht endlos aufschieben, und nach einer Operation ist eine Anschlussrehabilitation oftmals dringend notwendig“, sagt Berent. Die Klinik war daher auch im vergangenen Jahr recht bald wieder voll belegt. „Eine Rehabilitation trotz anhaltender Infektionsgefahr durch das Corona-Virus funktioniert aber nur unter strengen Hygieneauflagen“, konstatiert der ärztliche Direktor. Daher werden alle Patienten bei der Aufnahme mittels PCR-Test auf das Corona-Virus getestet, selbst wenn sie geimpft sind. „Ein infizierter Patient darf auf keinen Fall aufgenommen werden, schließlich kann jeder Ausbruch zu einer kompletten Klinikschließung führen“, so Berent. Neuankömmlinge müssen daher bis zum Zeitpunkt des Testergebnisses auf ihren Zimmern bleiben und werden im Falle eines positiven Nachweises sofort nach Hause geschickt. „Natürlich wird auch unser Personal in regelmäßigen Abständen getestet, um Cluster zu vermeiden.“ Waren die Corona-bedingten Aufnahmeverfahren anfangs aufgrund der Vorgaben und Maßnahmen eine Herausforderung, haben sich die neuen Routinen mittlerweile gut eingespielt. 

Der Bedarf an Reha-Plätzen steigt

Die HerzReha Bad Ischl behandelt vorwiegend Patienten, die unter akuter und chronischer Erkrankung des Herz-Kreislauf– und Gefäßsystems leiden. Neu hinzu kommen nun aber auch Post-Covid-Patienten nach einer kräftezehrenden Akut-Behandlung oder mit spät auftretenden, diffusen Symptomen. „Die Betroffenen leiden meist unter Atemnot und Schwäche, aber auch unter Herzrhythmusstörungen“, erzählt der Primar. „Einige von unseren Post-Corona-Patienten kamen auch nach einer Herzmuskelentzündung, einer sogenannten Myokarditis, zu uns.“ Während die kardiologische Reha bei chronischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf Ernährungsumstellung und auf das Training von Ausdauer und Muskelkraft setzt, muss bei Long Covid-Patienten ganz anders vorgegangen werden. „Die Therapeuten müssen hier besonders darauf achten, dass sie die Betroffenen nicht überfordern, da diese schneller erschöpft sind und längere Erholungsphasen benötigen“, erläutert Berent. Daher gelte es gerade hier, das Trainingsprogramm langsamer und vorsichtiger zu starten und behutsam zu steigern. Die medizinische Rehabilitation von Covid-19-Patienten kann häufig sogar monatelang andauern. Der Aufenthalt in der Reha-Klinik sei für die Betroffenen dadurch aber nicht automatisch länger. „Das wäre zwar wünschenswert, ist jedoch von den Krankenversicherungen nicht vorgesehen und würde somit auch nicht bezahlt werden.“ Hier müsse der Reha-Bedarf für Long Covid-Patienten mit Blick auf die aktuell steigenden Fallzahlen rasch angepasst werden, um den Betroffenen zu helfen, die Spätfolgen in den Griff zu bekommen.

Text: Rosi Dorudi; Fotos: HerzReha Bad Ischl/Philipp Horak

Robert Berent, Prim. Priv. Doz. Dr.

Ärztlicher Leiter der HerzReha Bad Ischl

Berent hat an der Universität Wien Medizin studiert und bei den Kreuzschwestern im Klinikum Wels die Facharztausbildung für Innere Medizin absolviert. Darüber hinaus verfügt er über die Zusatzfacherkennung in Kardiologie, internistischer Intensivmedizin und in Geriatrie und Palliativmedizin. Als stellvertretender ärztlicher Leiter des BVA Rehazentrum Bad Schallerbach sowie durch seine Habilitation in kardiologischer Rehabilitation, blickt Berent auf eine lange Berufserfahrung auf dem Gebiet der Herz-Kreislauferkrankungen zurück.

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