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Gesundheit
Oberösterreich
03.09.2019

Gemeinsam gegen Autoimmunkrankheiten

Am Autoimmunzentrum des Ordensklinikum Linz Elisabethinen arbeiten ExpertInnen verschiedener Fachrichtungen interdisziplinär zusammen, um die Versorgung von PatientInnen mit Autoimmunerkrankungen zu verbessern.

Eigentlich ist unser körpereigenes Immunsystem dafür da, Eindringlinge wie Bakterien und Viren zu bekämpfen und uns gesund zu halten. Wenn aber das Immunsystem Freund nicht mehr von Feind unterscheiden kann, greift es die eigenen Körperzellen an – der Körper zerstört sich selbst. Eine ganze Reihe solcher Autoimmunerkrankungen sind bekannt: von der rheumatoiden Arthritis, über die Multiple Sklerose, Sklerodomie, Morbus Crohn bis hin zum Lupus erythematodes.

Oft sind mehrere Organsysteme betroffen

„Autoimmunerkrankungen sind, nach Tumoren und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sehr verbreitete und häufige gesundheitliche Probleme. Oft betreffen sie nicht nur ein, sondern gleich mehrere Organe. Das macht die Diagnose und die Behandlung natürlich kompliziert,“ erklärt Norbert Sepp, Vorstand der Abteilung Dermatologie, Venerologie und Allergologie des Ordensklinikums Linz Elisabethinen. PatientInnen, bei denen das Immunsystem mehrere Organe angreift, brauchen die Expertise von ÄrztInnen verschiedener Fachrichtungen. „Meist vergehen einige Monate, bis eine Autoimmunerkrankung diagnostiziert wird. Oft gehen Patienten von einem Arzt zum anderen – vom Internisten, zum Gynäkologen, zum Radiologen und so weiter, bis sie eine Diagnose haben.“

Seit Herbst 2018 gibt es am Ordensklinikum Linz ein eigenes Autoimmunzentrum, das die Diagnose und Behandlung von PatientInnen, deren Autoimmunerkrankung mehrere Organe betrifft, koordiniert. „Niedergelassene Ärzte können mit uns am Ordensklinikum Kontakt aufnehmen, wenn sie vermuten, dass ein Patient eine Autoimmunerkrankung hat. Patienten können uns auch selbst kontaktieren. Wir können dann die Diagnose stellen und die Therapie durchführen“, berichtet Sepp.

Expertise verschiedener Fachrichtungen wird im virtuellen Zentrum gebündelt

Wer allerdings das Autoimmunzentrum auf dem Gelände des Ordensklinikums sucht, wird nicht so schnell fündig. Denn das Zentrum besteht nur virtuell, als Netzwerk von Expertinnen und Experten des Ordensklinikums, erklärt Sepp. „Es geht darum, die Expertise aus den verschiedenen Bereichen zu vernetzen. Das ist nicht an ein Gebäude gebunden, sondern Teamwork.“ Das Konzept dahinter ist der Onkologie nachempfunden, bei der es schon lange üblich ist, dass ÄrztInnen unterschiedlicher Fachrichtungen „ihre“ PatientInnen gemeinsam in sogenannten Tumor Boards besprechen. „Unsere Idee, Experten zusammenzubringen, ist ähnlich wie bei den Tumor Boards.

PatientInnen, die durch ihre Autoimmunerkrankungen Schädigungen an nur einem Organ haben, werden weiterhin von der zuständigen Abteilung versorgt. Wenn sich aber Fragen ergeben, bei denen andere Fachrichtungen eine Rolle spielen, kommen die ExpertInnen des Autoimmunzentrums zusammen. „Es ändert nichts an den Ambulanzen, nichts an den Fachzuständigkeiten. Wir sind eine Ärztegemeinschaft, die sich zum Ziel gemacht hat, die Diagnose und Therapie von Autoimmunerkrankungen zu verbessern“, betont Sepp.

Denn die Behandlung ist oft komplex – was einem Organ hilft, kann für ein anderes schädlich sein. „Wenn ein Patient eine Lebererkrankung, Bluterkrankung und Gelenkschmerzen hat, kann ich nicht einfach jedes Medikament gegen die Gelenksprobleme geben, denn es kann auf die Leber oder auf die Blutbildung schlagen. Hat ein Medikament Nebenwirkungen, die man nicht tolerieren kann, und wie muss man den Patienten im weiteren Verlauf betreuen? Das muss im Team besprochen werden.“

Leuchtturmwirkung über das Spital hinaus

Das Autoimmunzentrum hat nicht nur Vorteile für PatientInnen, erklärt Sepp. „Wir erhöhen auch das Knowhow und die Expertise der Ärztinnen und Ärzte, sowie der Pflege am Ordensklinikum. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind motiviert, sich mit diesem Thema zu befassen. Der Umgang mit den Patienten bekommt eine andere Qualität.“

Aber auch außerhalb des Ordensklinikums hat das Autoimmunzentrum Strahlkraft. Dafür organisiert das Autoimmunzentrum ein jährliches Autoimmun-Symposium, das Einblick in die interdisziplinären Aspekte der Arbeit des Zentrums gibt. Vor dem diesjährigen Symposium wird erstmals eine Nurse Academy abgehalten, bei der MitarbeiterInnen der Pflege mehr über Diagnostik und Bewältigungsstrategien erfahren. „Vieles ist über Autoimmunerkrankungen noch unbekannt. Wir möchten das Bewusstsein für diese Krankheiten und die manchmal notwendige interdisziplinäre Zusammenarbeit erhöhen.“

Text: Sophie Fessl

Norbert Sepp, Prim. Univ.-Prof. Dr.

Vorstand der Abteilung Dermatologie, Venerologie und Allergologie des Ordensklinikums Linz Elisabethinen

Nach Abschluss des Medizinstudiums in Innsbruck 1986 begann Sepp die Facharztausbildung an der Universitätsklinik Innsbruck für Dermatologie und Venerologie. Von 1995 bis 2009 war er geschäftsführender Oberarzt und Stellvertreter des Klinikdirektors an der Universitätsklinik für Dermatologie in Innsbruck. Von 2004 bis 2011 leitete er die Österreichische Akademie Dermatologischer Fortbildung (ÖADF), war mitverantwortlich für die gesamte Fortbildung der österreichischen Hautärzte sowie der Facharztprüfung für Dermatologie. Seit Oktober 2016 leitet er die Dermatologische Abteilung am Ordensklinikum Linz Elisabethinen. Er verfasste über 140 wissenschaftliche Publikationen und zusätzlich 42 Buchbeiträge. Sepp ist verheiratet, Vater von zwei verheirateten Töchtern und Opa von drei Enkeln.