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Österreich
19.12.2023

1450: Die „Corona-Hotline“ wird zur Gesundheitsberatung

Seit 2019 ist die Hotline 1450 in ganz Österreich in Betrieb. Als „Corona-Hotline“ wurde sie allgemein bekannt – jetzt soll sie als umfassende Gesundheitsberatung etabliert werden. Und in Wien sogar noch mehr …

Sie war eine der Corona-„Hauptdarstellerinnen“ in Österreich, es gibt hierzulande wohl kaum eine Person, die seit Beginn der Pandemie im März 2020 nicht direkt oder indirekt mit ihr zu tun hatte: Die Telefon-Hotline 1450. Dabei existiert die digitale Gesundheitsberatung, wie sie offiziell heißt, bereits deutlich länger.  

2017 erstmals in Wien, Niederösterreich und Vorarlberg eingerichtet und bis 2019 bundesweit in Betrieb, verzeichnete 1450 bisher insgesamt rund 20 Millionen Anrufe – wobei der überwältigende Teil davon naturgemäß auf die drei vergangenen Pandemie-Jahre fiel. Nicht immer sorgte die „Corona-Hotline“ dabei für positive Schlagzeilen: Die schier unzähligen Anrufe sorgten in den Jahren 2020 und 2021 für teilweise lange Wartezeiten und brachte insbesondere die 1450-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an die Grenzen der Belastbarkeit.

Best Practice Beispiel für Telemedizin

Knapp zwei Jahre später zog der Gesundheitsminister dennoch positive Bilanz. Die Gesundheitsberatung sei „ein Vorzeigeprojekt, das nun wieder stärker als erste Anlaufstelle in allen Gesundheitsfragen wahrgenommen werden soll“, so Johannes Rauch im vergangenen Sommer in einer Aussendung. „1450 ist ein best practice Beispiel für ein telemedizinisches Beratungsservice.“ Das Motto laute: „Digital vor ambulant, vor stationär.“

Anlass der Aussendung war ein überarbeitetes Design der Hotline sowie eine eigene Website inklusive Informationsoffensive, die auf das gesundheitliche Leistungsspektrum von 1450 aufmerksam machte. Die „Rund-um-die-Uhr-Gesundheitsberatung“ solle bei allen Gesundheitsfragen die erste Anlaufstelle sein, so der Gesundheitsminister. „Diplomiertes Gesundheits- und Krankenpflegepersonal berät gleich am Telefon und gibt eine passende Empfehlung für die nächsten Schritte. Das spart Patient*innen Zeit und entlastet damit Notrufdienste und Spitalsambulanzen“. Derzeit wenden sich mehr als 3.000 Menschen täglich an 1450, heißt es dazu aus dem Gesundheitsministerium.

"Das Motto lautet: Digital vor ambulant, vor stationär", sagt Gesundheitsminister Johannes Rauch.

Aus der Bundeshauptstadt kommt Zustimmung für eine umfassende, telemedizinische Gesundheitsberatung – und man will hier noch weiter gehen. Der Wiener Standortanwalt Alexander Biach, ehemaliger Vorstandsvorsitzender des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger, sieht medizinische Versorgung als einen wichtigen Standortfaktor und hatte daher eine Untersuchung des Gesundheitssystems beauftragt.

Ein Fazit Biachs ist der Ausbau von 1450 zur zentralen Gesundheitshotline, bei der man neben Beratung auch Arzt-Termine bekommen könnte. Ein weiterer Vorschlag des Standortanwalts: Bei Inanspruchnahme der Hotline könne bei einer anschließenden Medikamenten-Verschreibung quasi als Belohnung für die Patient*innen die Rezeptgebühr entfallen. Wiens Gesundheitsstadtrat Peter Hacker begrüßte die Vorschläge von Alexander Biach explizit. Sie seien „grundvernünftig, können dazu beitragen, die Patienten rasch an die richtigen Stellen im niedergelassenen Bereich weiterzuleiten und würden die medizinische Versorgung in unserer Stadt verbessern“, so Hacker. „Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass wir in der Frage der weiteren Verbesserung von 1450 zu einem guten Ergebnis kommen werden und das zeigt uns, dass eine gute Gesundheitspolitik ganz im Sinne der Menschen in unserer Stadt keine Parteigrenzen kennt.“

Wiener „Gesundheitswegweiser“

Aktuell gehen bei den 160 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Wiener Gesundheitsberatung 1450 an die 1.200 Anrufe pro Tag ein – zwar wenig im Vergleich mit den rund 60.000 täglichen Anrufe in Spitzen-Pandemiezeiten, aber immer noch rund siebenmal so viel wie vor 2020. 1450 ist die zentrale Anlaufstelle für Gesundheitsfragen aller Art. „Ein Anruf schafft Klarheit und gibt Sicherheit“, erklärte demnach auch David Reif, seit 2019 Leiter der Gesundheitsberatung Wien 1450. Diese sei ein „Gesundheitswegweiser“, der eine gezielte Lenkung der Patient*innen zum richtigen Versorgungsort ermöglichen solle. Und ebendas funktioniere gut, wie Evaluierungen zeigen, so Reif. Der Großteil der Anrufenden ginge nach der Konsultation von 1450 zu jener Anlaufstelle, bei der sie die passende Versorgung bekommen.

Portrait
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David Reif, Leiter der Gesundheitsberatung Wien 1450

Die Wiener Gesundheitsberatung 1450 wird vom Fonds Soziales Wien betrieben. Zuletzt wurde sie um einen SMS-Service erweitert, der Anruferinnen und Anrufern relevante Informationen via SMS zuschickt. Über 1450 können in Wien auch Impftermine gebucht werden. Die Website der Gesundheitsberatung 1450 (www.1450.wien) informiert zudem über aktuelle gesundheitsbezogene Aktionen der Stadt Wien und gibt Gesundheitstipps zu gängigen Erkrankungen. Darüber hinaus kann auf der Plattform nach der nächstgelegenen Apotheke gesucht sowie auf Geburtsinfo Wien und den Wien-Bot zugegriffen werden.

Text: Michi Reichelt; Fotos: David Reif © Fonds Soziales Wien, www.de.depositphotos.com

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