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Gesundheit
Oberösterreich
20.10.2021

Alexa vereinbart Ambulanz-Termin

Digitale Sprachassistenten werden im Gesundheitsbereich immer öfter eingesetzt. Spezielle Health Care-Apps für Alexa machen die Sprachsoftware des Versandhändlers Amazon zur virtuellen Gesundheitsassistentin.

„Alexa, was sind die Symptome von Borreliose?“, fragt der User den marktführenden Sprachassistenten des Online-Versand-Riesen Amazon. Die Antwort kommt über den smarten Lautsprecher und erfolgt algorithmusgesteuert. Die Grundlage bildet dabei die Datenbank des britischen Gesundheitsdienstes National Health Service (NHS). Dadurch kommen User in Sekundenschnelle an geprüfte Gesundheitsinformationen.

Barrierefreier Daten-Zugriff

Ein Service, das sich vor allem an Personen richtet, die aus unterschiedlichen Gründen nicht auf das Internet zugreifen können. „Für Menschen mit Alphabetisierungsschwäche, fehlenden EDV-Kenntnissen oder Bewegungseinschränkungen kann es schwierig sein, eine Website zu besuchen. Sprachgesteuerte Geräte bieten hier eine Möglichkeit, diese Hürden zu umgehen“, begründet NHS-Engagement-Leiterin Eva Lake die Zusammenarbeit mit dem Tech-Giganten.

Bei dieser Zusammenarbeit handelt es sich nicht um die Entwicklung einer sogenannten Skill, wie das Unternehmen spezifische Anwendungen für Alexa nennt. Vielmehr soll die Datenbank des Sprachassistenten durch die verifizierten Informationen des NHS erweitert werden. Dieser Service des NHS-Gesundheitsassistenten soll allen Nutzern kostenlos zur Verfügung stehen. Von der Anwendung erhofft man sich eine Entlastung der Hausärzte und der Apotheker.

Kritik von Datenschützern

Die Kritik von Datenschützern blieb bei der Projektpartnerschaft nicht aus. Hier würde ein gemeinnütziger Gesundheitsdienstleister einem internationalen Großkonzern hochsensible Gesundheitsdaten überlassen, hieß es. Häufig sei Nutzern beim Gebrauch von Alexa nicht klar, wann und in welchem Ausmaß Daten erhoben würden.

Grundsätzlich werden alle von Alexa aufgenommenen Daten an Server von Amazon geschickt. Dort werden sie transkribiert und weiterverarbeitet. Wie lange die Daten dort gespeichert bleiben, hat Amazon bislang nicht bekanntgegeben. Der NHS teilt die Sicherheitsbedenken von Kritikern nicht. Der Versand-Riese habe sich dazu verpflichtet, alle Informationen mit hoher Vertraulichkeit zu behandeln, heißt es.

„Amazon hat versichert, keine Verkaufsanbahnung oder Produktempfehlungen aufgrund der Gesundheitsinformationen abzugeben. Es werden auch keine Gesundheitsprofile von Kunden erstellt“, entgegnet Eva Lake. Sie verglich den Dienst mit allgemeinen Suchmaschinen, wo die Frage nach Datenschutz und Kommerzialisierung dieselbe sei.

Digital Health-Anbieter entwickeln Skills

Vorerst sind es vor allem internationale Digital Health-Unternehmen, die ihre Gesundheitsanwendungen mit eigenen Alexa-Skills erweitern. So können Nutzer spezieller Diabetes-Apps ihre letzten Blutzuckerwerte und Messtrends jetzt auch sprachlich abfragen. 

Der globale Gesundheitsdienstleister Cigna bietet für die Kunden seiner Krankenversicherung eine eigene Skill über Alexa an. Cigna Health Today nennt sich die App, die Kunden tägliche, personalisierte Gesundheitstipps anbietet. Je mehr der Versicherungsnehmer für seine Gesundheit tut, umso weniger bezahlt er. Alexa soll nun dabei helfen, noch mehr Kunden zu einem gesunden Lebensstil zu bewegen, so das Unternehmen.

"Alexa, Pillentaxi bestellen"

Eine weitere Anwendung von Amazons Sprachassistentin Alexa gibt es am deutschen Arzneimittelmarkt. Mit der Kölner Kooperation Pillentaxi soll die allgemeine Apothekensuche um einen Lieferdienst erweitert werden. Über den Befehl „Pillentaxi bestellen“ können sich Nutzer die rezeptpflichtigen Medikamente nach Hause liefern lassen.

Die Entwicklung neuer Skills für den Sprachassistenten wird auch verstärkt von Pharmaunternehmen genutzt. Ähnlich wie die Gesundheitsinformationen, die sie im Netz rund um ein Produkt zur Verfügung stellen, werden diese durch die Alexa-App auch sprachlich abrufbar.

Ambulanz-Termin für Sprachassistenz

Abgesehen von privaten Unternehmen nutzen auch immer mehr gemeinnützige Gesundheitseinrichtungen den Sprachdienst zur digitalen Patientenkommunikation. Der schwedische Krankenhausverband Providence St. Joseph Health beispielsweise bietet seinen Patienten eine eigene Alexa-Skill an. Damit können sie via Sprachassistenz eine Ambulanz in ihrer Nähe finden und auch gleich einen Termin am selben Tag vereinbaren. 

Text: Gertraud Gerst, Bild: pixabay