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Gesundheit
Oberösterreich
20.10.2021

Google Health macht wieder dicht

Schon länger arbeiten Tech Giants am großen Einstieg in den Gesundheitsbereich. Dass das nicht so leicht ist wie gedacht, zeigt die neuerliche Schließung von Google Health. Unterdessen sind gemeinnützige Portale im Vormarsch.

„Unsere Mission bei Google Health ist es, jedem die Möglichkeit zu geben, so gesund wie möglich zu leben.“ So tönte vor nicht allzu langer Zeit noch David Feinberg, der ehemalige Chef von Google Health, der im August dieses Jahres zum Konkurrenten Cerner wechselte. Für ihn lag die geschäftliche Entwicklung im Gesundheitsbereich auf der Hand, wie er in einem Video über Google Health erklärte. Schließlich sei „Doktor Google“ für viele die erste Anlaufstelle, wenn es darum ginge, nach Symptomen zu suchen oder eine Diagnose besser zu verstehen. Im Zuge der anstehenden Digitalisierung des Gesundheitsbereiches sollte der Markt entsprechend erschlossen werden. Doch mittlerweile musste Google Health zum zweiten Mal geschlossen werden.

Bereits im Jahr 2006 startete das Technologieunternehmen die Entwicklung seiner Plattform zur Speicherung von Gesundheitsdaten. Patienten sollten ihre Akten dort zentral verwalten und Ärzten und gesundheitlichen Einrichtungen bei Bedarf Zugriff gewähren. Die Vernetzung von Gesundheitsdaten würde schließlich Bürokratie abbauen und die Behandlung auch qualitativ verbessern. Eine Einsicht, die auch außerhalb von Big-Tech-Unternehmen hinlänglich bekannt ist. 

Unzureichender Datenschutz

Nach seinem Launch 2008 war Google Health drei Jahre in Betrieb, bis die Plattform wieder geschlossen wurde. Es ließen sich einfach nicht genug User für den Dienst erwärmen. Die hoch sensiblen Patientendaten seien unzureichend geschützt, warnten Ärztekammern und Datenschützer. Während Gesundheitsunternehmen den strengen nationalen Datenschutzgesetzen unterliegen, gab es für den Technologieriesen kein entsprechendes Regulativ.

„Der Arzt hat einen Hippokratischen Eid geschworen und muss im Interesse der Patienten handeln. Ein börsennotiertes Unternehmen denkt vor allem an die Aktionäre“, formulierte es Pam Dixon, die Gründerin des World Privacy Forum. Zwar wurden die medizinischen Daten der User nicht für personalisierte Werbung verwendet, aber Unternehmen sollten gegen Bezahlung Zugriff auf bestimmte Datensätze erhalten. Ein Geschäftsmodell, das von den Usern mehrheitlich nicht angenommen wurde.

Gemeinnützige Gesundheitsportale im Vormarsch

Mit der Einstellung von David Feinberg startete der Konzern einen neuerlichen Anlauf, in die digitale Verwaltung von Gesundheitsdaten einzusteigen. Doch mittlerweile ist mit der Einführung nationaler Gesundheitsportale die Digitalisierung in vielen Ländern vorangeschritten. In Österreich wird die elektronische Gesundheitsakte ELGA seit 2015 schrittweise ausgerollt. 

Das gemeinsame System von Bund, Ländern und Sozialversicherung unterliegt höchsten Sicherheitsstandards und ist „nicht auf Gewinn gerichtet“, sondern erfolgt laut ELGA-Gesetz im Interesse der Allgemeinheit. Dass es auch für gemeinnützige Betreiber von Datenportalen schwierig ist, das Vertrauen der Nutzer zu erhalten, zeigt die Anzahl der Austritte. 

Bis Ende 2019 haben sich 390.000 Personen von ELGA abgemeldet. „Allerdings kam es während der Pandemie zu zahlreichen Wiederanmeldungen“, wie Pia Dragon von ELGA bestätigt. „Aktuell stehen wir bei circa 267.000 ELGA-Abmeldungen.“ Die praktischen Vorteile der kontaktfreien Medikamentenverschreibung und die unbürokratische Ausgabe von Corona-Antigentests dürften viele Skeptiker umgestimmt haben.

Zweiter Anlauf gescheitert

Google hat nun seine Health Division neuerlich geschlossen. Die 570 Mitarbeiter sollen nicht entlassen, sondern auf andere Bereiche des Unternehmens aufgeteilt werden. „In Zukunft ist Google Health kein einzelnes Team mehr, sondern eine bedeutende, unternehmensweite Bestrebung, die an viele unserer Produkte anknüpft“, heißt es in einem Statement. Das Unternehmen, das unter anderem auch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz bei der Diagnose von Krebs erforscht, möchte sich neu aufstellen.

Ein Teil der Mitarbeiter wurde bereits im Frühsommer auf die Bereiche Search und Wearables verlagert. Seit Googles Übernahme von Fitbit Anfang dieses Jahres, hat der Suchmaschinenbetreiber auch Smartwatches, Fitness-Tracker und eine intelligente Waage im Sortiment. 

Auf Youtube will man künftig ein umfassendes Angebot an Gesundheitsinformationen von anerkannten Quellen schaffen, wie „Scientific American“ berichtet. Diese Inhalte sollen allerdings nicht im Suchergebnis besser gereiht, sondern in einer eigenen Rubrik angezeigt werden. Experten kritisieren, dass damit der Verbreitung von medizinischen Fehlinformationen – ein großes Problem in der Corona-Pandemie – nicht entgegengewirkt werde. 

Text: Gertraud Gerst: Foto: pixabay