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Gesundheit
Oberösterreich
05.08.2019

„Langfristig wird die Online-Anmeldung die telefonische Terminvereinbarung ablösen“

Wer einen Besuch in der Ambulanz der 1. Medizinischen Abteilung am Krankenhaus Hietzing plant, kann sich seit kurzem auch online anmelden. Abteilungsvorstand Ludwig Kramer spricht im Interview über die Vorteile dieser Möglichkeit, aber auch die Schwierigkeiten bei der Durchsetzung.

Wie kam es zur Einführung der Online-Anmeldung?

Ludwig Kramer: Ich habe mich schon vor Jahren in Ordinationen und Krankenhäusern über die Möglichkeit einer Online-Anmeldung informiert, weil viele Patientinnen und Patienten unzufrieden mit der telefonischen Anmeldung waren. Wir haben dann ein Pilotprojekt gestartet, bei dem sich täglich drei PatientInnen online bei uns anmelden können. Das wird ausgesprochen gerne angenommen.

Wer kann sich in Ihrer Ambulanz online anmelden?

Derzeit können sich nur PatientInnen anmelden, die bereits bei uns im System sind, also unsere Ambulanz oder das Krankenhaus bereits mindestens einmal aufgesucht haben. Zudem können etwa Endoskopie-Termine nicht online gebucht werden.

Warum nicht?

Wenn ein Patient zur online gebuchten Endoskopie nicht erscheint, stört das den Ablauf empfindlich. Außerdem ist etwa vor einer Koloskopie ein ausführliches Aufklärungsgespräch verpflichtend. Deshalb können sich PatientInnen, die zur Endoskopie kommen, nur telefonisch anmelden oder vereinbaren den Termin direkt beim Aufklärungsgespräch.

Verkürzt sich durch die Online-Anmeldung die Wartezeit für die PatientInnen?

Theoretisch ja, allerdings kann das nicht immer gewährleistet werden. Wir sind eine Terminambulanz, das bedeutet, wir versuchen, den Patienten zum gebuchten Termin auch wirklich dran zu nehmen. Wir müssen aber auch Notfälle oder Krankenstände im Team berücksichtigen, was die Terminplanung erheblich durcheinanderbringen kann.

Derzeit ist die Online-Anmeldung noch ein Pilotprojekt – wie soll es weitergehen?

Langfristig, denke ich, wird die Online-Anmeldung die telefonische Terminvereinbarung ablösen. Wir haben in unserer Ambulanz eine Erhebung durchgeführt, bei der festgestellt wurde, dass 90 Prozent unserer PatientInnen ein Smartphone besitzen, mit dem sie sich auch online anmelden könnten. Ein Patient hat das sogar direkt vor dem Anmeldeschalter getan. Er erhielt einen Termin in einigen Wochen, was ihm nicht gepasst hat. Daraufhin hat er sich sofort online angemeldet – für den gleichen Tag, und das hat auch geklappt (lacht).

„Wir könnten viel Zeit sparen, wenn die PatientInnen Ihre Anamnese direkt online an uns weitergeben könnten.“

Welche Möglichkeiten der elektronischen Kommunikation möchten Sie gerne zusätzlich für Ihre Ambulanz nützen?

Wir könnten viel Zeit sparen, wenn die PatientInnen – selbstverständlich über einen verschlüsselten Zugang – Ihre Anamnese direkt online an uns weitergeben könnten. Das Gleiche gilt natürlich für Vorbefunde, die eingescannt und übermittelt werden. All dies ist heute über sichere, gut verschlüsselte Systeme möglich. Allerdings stoße ich hier auch auf Gegenwind, weil nicht wenige Personen, auch im Krankenhaus, Veränderungen gegenüber nicht sehr offen sind.

Kennen Sie positive Beispiele für eine gelungene Online-Kommunikation zwischen Arzt und Patient?

In der Abteilung für Augenheilkunde im Wiener Hanusch-Krankenhaus geben die oft schlecht sehenden PatientInnen die zur Aufklärung und Einwilligung nötigen Daten direkt in ein I-Pad mit optimierter Lesbarkeit ein. Die Daten werden dann übernommen und für die gesetzlich notwendige Unterschrift ausgedruckt. In Frankfurt am Main habe ich ein Krankenhaus besucht, in dem PatientInnen über ein ähnliches System ihre Daten eingeben und auch medizinische Fragen vorformulieren können. Möglich ist vieles – allerdings muss man Änderungen auch wollen.

Was sagen Sie KollegInnen, die ähnliche Systeme etablieren wollen?

Der Datenschutz darf Innovationen im Krankenhaus nicht allzu sehr im Weg stehen. Natürlich sind gut verschlüsselte Systeme sehr wichtig. Oft wird allerdings der Datenschutz lediglich vorgeschoben, um Veränderungen zu verhindern.

Interview: Sabine Fisch; Bilder: www.gesundinschoenbrunn.at, www.depositphotos.com

Ludwig Kramer, Univ.-Prof. Dr.

Leiter der 1. Medizinischen Abteilung am Krankenhaus Hietzing

Kramer promovierte 1992 zum Doktor der gesamten Heilkunde und spezialisierte sich auf Innere Medizin. 2005 schloss er die Zusatzausbildung für Gastroenterologie und Hepatologie ab. Kramer ist Träger des Billroth-Preises sowie des Paracelsus-Preises der Österreichischen Gesellschaft für Innere Medizin.