INnovation
Gesundheit
Oberösterreich
07.11.2019

"Wir sind eine Gesundheitsversicherung, nicht nur eine Krankenversicherung"

In ihren Gesundheitszentren setzt die Sozialversicherung der Gewerblichen Wirtschaft (SVA) stark auf Digitalisierung. Was das den Versicherten bringen sollen, erklärt SVA-Landesstellendirektor Michael Schneider im Interview.

Was bieten die Gesundheitszentren der SVA ihren KundInnen?

Michael Schneider: Drei unserer Zentren sind auf stationäre Rehabilitation spezialisiert, hier geht es etwa um Herzgesundheit, Reha nach einem Schlaganfall oder Unterstützung bei der Wiederherstellung der Funktionen des Bewegungsapparates. Das Gesundheitszentrum in Wien ist eine ambulante Einrichtung für Prävention, kurative Medizin und Rehabilitation. Für uns sind die Gesundheitseinrichtungen der SVA von großer Bedeutung, weil hier direkter Gesundheits-Nutzen für unsere Versicherten geschaffen wird.

Wie werden die SVA-Gesundheitszentren geführt?

Wir führen alle unsere Einrichtungen als PPP-Modelle, gemeinsam mit privaten Management-Partnern – wobei wir immer einen mehrheitlichen Eigentumsanteil von 51 Prozent an den Gesundheitseinrichtungen halten. Damit bringen wir das Beste aus zwei Welten zusammen, was für beste medizinische Betreuung und Effizienz unserer Gesundheitseinrichtungen sorgt. Die SVA will sich so bewusst auf ihr Kerngeschäft konzentrieren. Im Klinikum Malcherhof in Baden, das auf den Bewegungsapparat spezialisiert ist, haben wir gerade letztes Jahr zehn Jahre PPP-Modell gefeiert – was sich hier, aber auch in den anderen Einrichtungen, sehr bewährt hat.

Vor kurzem wurde das Gesundheitszentrum in Wien (https://www.svagw.at) am Standort Hartmanngasse wieder eröffnet. Was bieten Sie Ihren KundInnen dort an?

Wir bieten sowohl präventive als auch kurative Medizin am Standort. Mehr als acht Fachrichtungen sind dort versammelt, unter anderem Augenheilkunde, Innere Medizin, Dermatologie und Chirurgie. Wir gehen aber auch hier mit unserer Infrastruktur in ein neues Zeitalter, weil wir sehr stark auf Digitalisierung setzen. Unsere KundInnen können über eine App online Termine vereinbaren. Auch Anamnesebögen können online ausgefüllt werden, was Zeit spart. Dazu wurde eine eigene PatientInnen-Plattform entwickelt, mit deren Hilfe diese Dienste in Anspruch genommen werden können. Abgesichert ist die Plattform mittels Handysignatur, was einen hohen Sicherheitsstandard gewährleistet. Außerdem bieten wir am Standort Hartmanngasse zwei lange Tage an, montags und mittwochs jeweils bis 20 Uhr, an denen die KundInnen auch abends unser Service in Anspruch nehmen können.

Welche Schritte planen Sie als nächstes?

Mit der Fusion der Sozialversicherungsanstalt der Gewerblichen Wirtschaft mit der Sozialversicherungsanstalt der Bauern zur Sozialversicherung der Selbstständigen (SVS) mit 1. Januar 2020 erweitern wir unsere Angebotspalette für unsere Versicherten. Mit den Einrichtungen der SVB können unsere KundInnen dann insgesamt neun Gesundheitseinrichtungen nutzen. Das erweitert unser Angebot auf die Therapie rheumatischer, neuropsychologischer und Lungenerkrankungen sowie onkologische und unfallchirurgische Indikationen.

Was kommt im Bereich digitalisierte Medizin?

Derzeit testen wir ein Programm mit digitaler Unterstützung zum Thema „Adipositas“. Mit „Leichter leben 2.0“ helfen wir Menschen, die mit Übergewicht zu kämpfen haben, nicht nur mit persönlichen Treffen, sondern auch mit digitaler Begleitung mittels App, die Beratungstermine per Videotelefonie ermöglicht und regelmäßige Tipps und Empfehlungen parat hat. Ergänzt wird das Programm durch verschiedene Wearables. 2020 soll dann ein Hypertonieprojekt dazu kommen. Wir sind eine Gesundheitsversicherung, nicht nur eine Krankenversicherung. Wir möchten unsere KundInnen dabei unterstützen, bestmöglich selbstständig auf ihre Gesundheit achten zu können und so möglichst lang beschwerdefrei zu leben. Unsere Programme dienen deshalb auch der Verbesserung der Gesundheitskompetenz – unsere Versicherten sollen aktiv dazu beitragen können, ihre Arbeitskraft möglichst lange bei guter Gesundheit erhalten zu können.

Text: Sabine Fisch; Bilder: SVA der Gewerblichen Wirtschaft, PremiQuaMed

Die Gesundheitszentren der SVA

Herzrehabilitation in Bad Ischl (https://www.herzreha.at/)

Neurologisches Zentrum Rosenhügel in Wien (http://www.nrz.at/)

Klinikum Malcherhof in Baden (https://www.klinikum-malcherhof.at/de/)

Gesundheitszentrum der SVA in Wien (https://www.svagw.at)

Michael Schneider, MMag.

Landesstellendirektor Wien und Geschäftsbereichsleiter Gesundheitseinrichtungen und Bau der SVA

Schneider leitet seit 2016 in der Sozialversicherungsanstalt der Gewerblichen Wirtschaft den Geschäftsbereich „Gesundheitseinrichtungen und Bau“. Seit Anfang 2018 ist Schneider zudem in Studienprogrammen der Middlesex University/KMU Akademie als Dozent tätig, er unterrichtet Gesundheitsmanagement. Schneider arbeitete im Laufe seiner Karriere unter anderem als Projektleiter in einem österreichischen Beratungsunternehmen, wo er unter anderem Projekte mit der Mehrheit der österreichischen Krankenanstalten- und Sozialversicherungsträger abgewickelt hat. Seit November 2018 ist Schneider zudem Leiter der SVA-Landesstelle Wien und ist damit für mehr als 127.000 Versicherte zuständig.