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Gesundheit
Oberösterreich
30.04.2019

„Wenn´s weh tut! 1450“: Gemeinsam schafft man mehr!

Überlaufene Spitalsambulanzen und hausärztliche Ordinationen mit langen Wartezeiten: Nicht selten müssen Patientinnen und Patienten lange warten, bis ihre Beschwerden optimal abgeklärt werden können. Seit kurzem können sie sich nun auch in Oberösterreich schnell und einfach an die Telefonnummer 1450 wenden, um Beschwerden zu schildern und rasch an die richtige medizinische Versorgungseinheit verwiesen zu werden.

„Ebenso wie der hausärztliche Notdienst und der Rettungsdienst kommen alle Anrufe über die Telefonnummer 1450 beim oberösterreichischen Roten Kreuz an“, berichtet Mag. Thomas Märzinger, Landesgeschäftstellenleiter-Stellvertreter des Roten Kreuzes Oberösterreich. „Das ermöglicht uns nicht nur eine rasche Vorabklärung der Beschwerden, sondern nötigenfalls auch gleich die Zuweisung an ein Krankenhaus oder eine andere Notfalleinrichtung.“

Kooperative Planungsphase

Zusammenarbeit wurde im Aufbau von „Wenn`s weh tut! 1450“ in Oberösterreich großgeschrieben. „Wir haben eine sehr kooperative Zusammenarbeit mit allen Playern im Gesundheitssystem“, sagt Märzinger. „Auch Ärzte- und Apothekerkammer waren in den Aufbauprozess eng miteingebunden.“ Die telefonische Gesundheitsberatung 1450 (www.1450.at) ist rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche erreichbar.

Entgegengenommen werden die Anrufe von besonders geschultem diplomiertem Pflegepersonal. Dieses fragt bei Anrufen wegen Beschwerden - wie etwa Bauchschmerzen - nach einem von MedizinerInnen entwickelten Algorithmus alle nötigen Informationen ab. Wesentlich ist dabei auch die Feststellung, wo der Patient/die Patientin zu Hause ist. „Das ermöglicht uns – falls nötig – die Zuweisung an eine wohnortnahe Versorgung“, weiß Märzinger vom Oberösterreichischen Roten Kreuz.

„Sechs von zehn PatientInnen kann über die 1450 Hilfe zur Selbsthilfe angeboten werden“, so Märzinger.

Sehr häufig nämlich, in bis zu 80 Prozent aller Fälle, in denen 1450 angerufen wird, handelt es sich nicht um einen Notfall. „Sechs von zehn PatientInnen kann über die 1450 Hilfe zur Selbsthilfe angeboten werden“, so Märzinger. Dabei ist der Algorithmus, der von den qualifizierten Beraterinnen und Beratern im Rahmen der telefonischen Gesundheitsberatung, abgefragt wird, eher niederschwellig. „Das bedeutet, es wird, falls erforderlich, höher triagiert, um eventuelle Notfälle auf gar keinen Fall zu übersehen“, weiß Märzinger.

Seit 18. März haben 1.183 Menschen die telefonische Gesundheitsberatung 1450 angerufen. 562 AnruferInnen wurden triagiert: Am häufigsten wurden PatientInnen dabei dem niedergelassenen Allgemeinmediziner zugewiesen. Lediglich drei Prozent aller Fälle benötigten zur Versorgung eine Notfallambulanz:

  • Allgemeinmedizinische Versorgung 52 Prozent
  • Selbstversorgung 16 Prozent
  • Hausärztlicher Notdienst/Ordination 12 Prozent
  • Notfallambulanz 3 Prozent

Das entsprechende Personal für die telefonische Gesundheitsberatung 1450 in Oberösterreich zu finden, stellte kein Problem dar. Märzinger: „Wir konnten unseren Anfangspersonalbestand problemlos aufbauen und haben für den weiteren Ausbau noch potenzielle MitarbeiterInnen in petto.“

Ärztinnen im Hintergrund

Mit dem von MedizinerInnen ausgearbeiteten Algorithmus kann fast immer die richtige Beratung angeboten werden. „Sollten Fragen offen bleiben, können sich unsere BeraterInnen an unsere ÄrztInnen im Hintergrund wenden“, berichtet Märzinger. „Wir können dabei auf die ÄrztInnen des Bereitschaftsdienstes und des hausärztlichen Notdienstes zurückgreifen.“

Zu den häufigsten Beschwerden im ersten Monat von „Wenn`s weh tut! 1450“ in Oberösterreich zählten unter anderem abdominelle Schmerzen, Husten und Hautausschlag bei Kleinkindern.

Bislang bieten die Bundesländer Wien, Niederösterreich, Oberösterreich, Vorarlberg und die Steiermark die telefonische Gesundheitsberatung 1450 an. Bis Ende 2019 sollen alle österreichischen Bundesländer in das Projekt eingebunden sein.

Text: Sabine Fisch; Bilder: ÖRK/Markus Hechenberger, depositphotos.de

Thomas Märzinger, Mag.

Landesgeschäftstellenleiter-Stellvertreter des Roten Kreuzes Oberösterreich