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Gesundheit
Oberösterreich
21.04.2021

Erste Liver Care Nurse Österreichs

Während in anderen europäischen Ländern Liver Care Nursing bereits ein anerkanntes Pflege-Fachgebiet ist, gibt es in Österreich keine Ausbildung für spezialisierte Pflegekräfte, die PatientInnen mit chronischer Lebererkrankung begleiten. Doch Denise Schäfer schaffte es dennoch, sich auf dieses Pflegegebiet zu spezialisieren: Seit 2020 ist sie als erste, und bisher einzige, österreichische Liver Care Nurse im Ordensklinikum Linz im Einsatz. 

Nach ihrer Ausbildung zur diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegerin arbeitete Schäfer in der Endoskopie des Ordensklinikums Linz Elisabethinen, und kam so mit PatientInnen aus der Hepatologie und Gastroenterologie in Kontakt. „Rasch habe ich festgestellt, wie überfordert und alleingestellt Menschen mit chronischen Lebererkrankungen sind, welche Defizite es in ihrer Versorgung und Betreuung gibt“, berichtet Schäfer. „Für mich war und ist nicht nachvollziehbar, warum es für andere chronische Erkrankungen eine spezialisierte Pflege gibt, aber eine so heterogene und vulnerable Gruppe wie Patientinnen und Patienten mit Lebererkrankungen wird allein gelassen.“ 

„Ich freue mich sehr, dass wir mit Denise Schäfer eine Expertin mit umfassender pflegerischer Kompetenz für eine so wichtige Patientengruppe im Haus haben. Die Eigenständigkeit der Pflege wird sich durch solche Piloten weiterhin wesentlich positiv verändern“, ist sich Georgine Gattermayr, MBA, Pflegedirektorin am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern sicher.

Neues Konzept für Liver Care Nurses in Österreich

Mangels klarem Ausbildungspfads entschied sich Schäfer dazu, ihren Weg selbst zu suchen. So begann sie an der FH Krems das Bachelorstudium in Advanced Nursing Practice – berufsbegleitend, während sie im Ordensklinikum in der Pflege arbeitete. In ihrer Ausbildung fokussierte sich Schäfer komplett auf die Pflege von Menschen mit chronischen Lebererkrankungen. „Advanced Nurse Practitioners können in jedem Bereich eingesetzt werden, ich legte aber mein ganzes Studium auf das Thema chronische Lebererkrankung aus: zuerst in meiner Bachelorarbeit und jetzt auch im Masterstudiengang, den ich derzeit absolviere.“ 

In Österreich ist der Einsatz von Liver Care Nurses und ihr Arbeitsgebiet – noch – nicht etabliert. Gemeinsam mit dem Ordensklinikum arbeitete Schäfer daher ein Konzept aus, wie eine Liver Care Nurse in einem österreichischen Spital eingesetzt werden kann. Mittlerweile ist Schäfer mitten in der Umsetzung: 15 Stunden pro Woche begleitet sie die Patientinnen und Patienten der Station Interne IV Gastroenterologie & Hepatologie, weitere 15 Stunden die der Leberambulanz. „Wenn jemand mein Patient ist, begleite ich sie oder ihn durch alle Stadien der Erkrankung und Gesundheit, auch über den stationären Bereich hinaus“, berichtet Schäfer.

"Im Spital läuft es meist gut, die wirkliche Herausforderung ist das normale Leben außerhalb", berichtet Denise Schäfer.

Sobald sich ein chronischer Verlauf einstellt oder sich ein komplexer Fall ergibt, wird Schäfer als Konsiliardienst vom Pflegepersonal oder den HepatologInnen hinzugezogen. Ihr Fokus als Liver Care Nurse liegt auf den Bedürfnissen der PatientInnen und ihrem Umgang mit der Erkrankung, gleichzeitig geht es darum, PatientInnen und ihre Familien über das Krankenhaus hinaus zu unterstützen. „Viele der Patientinnen und Patienten sind berufstätig, haben Familie – und nebenbei eine chronische schwere Erkrankung, mit deren Auswirkungen sie umgehen müssen. Im Spital läuft es meist gut, die wirkliche Herausforderung ist das normale Leben außerhalb. Spätestens 72 Stunden nach der Entlassung melde ich mich daher telefonisch, um sie aufzufangen und zu sehen, wie es ihnen geht.“ 

Vom Case und Care Management bis zur Forschung

Ihre Tätigkeit umfasst viele Felder, von der klinischen Praxis zum Case und Care Management, von der Edukation der PatientInnen bis zur Forschung. Im Case und Care Management vernetzt Schäfer die Betroffenen und ihre Familien mit SpezialistInnen der anderen Gesundheitsberufe. Nach Lebertransplantationen begleitet Schäfer die PatientInnen durch die Post-Transplant Phase, für PatientInnen mit toxisch nutritivem Hintergrund organisiert sie ambulante Betreuung und Suchtberatung. „Wenn sich der Zustand verschlechtert, helfe ich beim Pflegegeld-Antrag und der Organisation der Pflegebetreuung, wenn es schließlich um end-of-life geht, vernetze ich Angehörige mit der psychologischen Beratung und der Palliative Care.“ Gleichzeitig schult sie PatientInnen und Angehörige, wie sie am besten mit den Herausforderungen ihrer Erkrankung umgehen. Im Fokus steht stets die Autonomie der PatientInnen und die Wahrung ihrer Interessen

"Wir können in der Pflege viel verändern, in dem wir unsere Abläufe wissenschaftlich reflektieren."

Im Bereich der Forschung transferiert Schäfer Erkenntnisse aus der Theorie in die Praxis und überprüft Handlungen im stationären Ablauf auf ihre Evidenzbasis. „Wir können in der Pflege viel verändern, in dem wir unsere Abläufe wissenschaftlich reflektieren.“ Dabei steht Schäfer stets im Austausch mit anderen Liver Care Nurses in einem europäischen Netzwerk, an dem sie aktiv mitwirkt.

Viel verändern möchte Schäfer auch in der Ausbildung von Liver Care Nurses. Gemeinsam mit der Kollegin Martina Fellinghauer vom AKH Wien gründete sie den Verein „Liver Care Nursing Austria“, um ein Fort- und Weiterbildungsangebot zu realisieren. „Wir möchten auch eine flächendeckend einheitliche Ausbildung in Österreich ermöglichen, damit es in Zukunft in allen österreichischen Spitälern eine Liver Care Nurse gibt.“ 

Text: Sophie Fessl

Denise Schäfer,

Liver Care Nurse am Ordensklinikum Linz

Schäfer ist seit Mai 2020 als erste Liver Care Nurse Österreichs am Ordensklinikum Linz tätig. Nach ihrer Ausbildung zur Diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegerin an der Gesundheits- und Krankenpflegeschule St. Pölten arbeitete Schäfer seit Ende 2014 als DGKP am Krankenhaus der Elisabethinen Linz. 2017 begann Schäfer den berufsbegleitenden Studiengang „Bachelor of Science in Advanced Nursing Practice“ an der IMC FH Krems. Seit 2020 belegt sie auch den „Master of Science in Advanced Nursing Practice” an der IMC FH Krems.