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Gesundheit
Oberösterreich
22.01.2024

Ein zweites Zuhause für chronisch kranke Kinder

Das Haus der Barmherzigkeit bietet in Wien eine einzigartige Leistung: Kinder und Jugendliche mit komplexen chronischen Erkrankungen erhalten im neuen Pflegedomizil FRIDOLINA die professionelle Betreuung, die sie brauchen – in einer kindgerechten Umgebung.

Es gibt für Kinder wohl kaum Wichtigeres als Sicherheit und Geborgenheit. Und doch ist die Erfüllung dieser Grundbedürfnisse der Jüngsten in unserer Gesellschaft auch hierzulande keine Selbstverständlichkeit. Zu viele Kinder müssen auf ein sicheres, geborgenes Umfeld verzichten. Für all jene, deren Lebensqualität zusätzlich durch eine komplexe chronische Krankheit gemindert wird, kann die Herausforderung oft im wahrsten Sinne überwältigend werden.

Ein neu geschaffener Wohnbereich im Haus der Barmherzigkeit Pflegekrankenhaus in Wien-Ottakring soll hier Abhilfe schaffen: Mit FRIDOLINA, so der Name des Kinderpflegedomizils, wird chronisch kranken Kindern und Jugendlichen erstmals eine altersgerechte und wohnliche Umgebung geboten, wobei das Angebot von langfristiger Pflege über kurzzeitige Aufenthalte zur Entlastung der Familien bis hin zur Hospizbetreuung reicht. 

Sicherer Hafen

Kinder und Jugendliche mit chronischen und lebensverkürzenden Erkrankungen, die durch ihren hohen Pflegebedarf zuvor lange auf Krankenhausstationen untergebracht waren, obwohl ihre Akutbehandlungen bereits abgeschlossen sind, sind bei FRIDOLINA also ebenso willkommen wie jene, die zu Hause von ihren Angehörigen und mobilen Diensten gepflegt werden – denn auch für betreuende Familien ist es sehr wichtig, selbst durchatmen zu können und wieder neue Kraft zu schöpfen. 

Das neue Pflegedomizil bietet damit ein Zuhause außerhalb des Zuhauses, einen sicheren Hafen, in dem das betreubare Krankheitsspektrum von neurodegenerativen Erkrankungen, Stoffwechsel- oder Atemwegserkrankungen bis hin zu (sehr) seltenen Krankheitsbildern reicht. Das Ziel des Pflege- und Betreuungsangebots ist die Schaffung eines möglich „normalen“ Lebensraums fernab von Intensivstationen und Krankenhausalltag – trotz hoch spezialisierter Pflege und Therapie.

Multiprofessionelle Betreuung

Bisher sei man stets vor der Frage gestanden, wo Kinder mit komplexen Erkrankungen am besten versorgt und betreut werden können, erläuterte der Wiener Gesundheitsstadtrat Peter Hacker im Rahmen der Eröffnung des Kinderpflegedomizils im vergangenen Dezember. Für betroffene Kinder gab es in der Vergangenheit nur die Möglichkeit, trotz abgeschlossener Akutbehandlung weiter auf Krankenhausstationen oder zu Hause gepflegt zu werden. FRIDOLINA mache es nun möglich, dass ein breit aufgestelltes Team – von Ärzt*innen über Sozialarbeit bis hin zur Heimhilfe – individuell auf die Erkrankungen und die Bedürfnisse der jungen Patientinnen und Patienten eingehen kann, so Hacker. „Davon profitieren die Kinder und natürlich auch ihre Eltern“.

"Familien sind fester Bestandteil im Leben der Kinder, die bei FRIDOLINA wohnen", erklären die FRIDOLINA-Leiterinnen Nicole Hainz und Katharina Fourtis.

Umgesetzt wurde das vom Fonds Soziales Wien (FSW) geförderte, erste stationäre Pflegeangebot für chronisch kranke Kinder in Wien vom Haus der Barmherzigkeit in Kooperation mit dem ambulanten Kinderhospiz und Kinderpalliativteam MOMO. Ein multiprofessionelles Team kombiniert Pflege, medizinische und therapeutische Versorgung sowie Sozialarbeit und pädagogische Betreuung. Neben der bedürfnisorientierten Betreuung steht dabei die Förderung ihrer Selbständigkeit im Vordergrund, wie die Leiterinnen von FRIDOLINA, Nicole Hainz (auf dem Beitragsbild links) und Katharina Fourtis, betonen. Auch Eltern und Angehörige erhalten daher im neuen Kinderpflegedomizil umfassende Unterstützung und Beratung; sogar Schulungen in pflegerischen Maßnahmen sind für die Familien möglich. Jenen, die ihre Kinder zuhause betreuen und versorgen, wird durch Kurzzeitplätze zeitweilige Entlastung zuteil. „Wir sehen die Familien als festen Bestandteil im Leben der Kinder, die bei FRIDOLINA wohnen. Mit ihnen besteht eine enge Zusammenarbeit und ein ständiger Informationsaustausch,“ so Hainz und Fourtis. 

Schutz & Sicherheit

„Mit FRIDOLINA schließen wir eine Versorgungslücke und können nun betroffenen Familien eine Alternative zu Krankenhaus, zur mobilen Betreuung oder dem eigenen Zuhause anbieten“, zeigte sich auch Monika Badilla, stellvertretende FSW-Geschäftsführerin und Leiterin des Fachbereichs Pflege und Betreuung, erfreut. Neben stationären Pflegeplätzen gibt es zudem erstmals auch ein stationäres Kinderhospiz in Österreich. „Wien ist hier Vorreiter und setzt neue Maßstäbe in der Versorgung und Betreuung von Kindern mit komplexen, chronischen Erkrankungen“, so Badilla.

Foto

Das Kinderpflegedomizil trägt seine Mission übrigens bereits im Namen: FRIDOLINA leitet sich vom althochdeutschen „fridu“ ab, das soviel wie Friede, Schutz oder Sicherheit bedeutet. Nicole Hainz und Katharina Fourtis: „Die Kinder, die bei uns ein zweites Zuhause finden, sollen hier in Sicherheit und Geborgenheit aufwachsen.“

Und genau das ist eben das Wichtigste.

Text: Michi Reichelt; Fotos: Haus der Barmherzigkeit/Martin Hörmandinger, KDA ZT GmbH | Klaus Duda Architektur / Haus der Barmherzigkeit

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