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Gesundheit
Oberösterreich
22.01.2024

"Die Berufsaussichten für operationstechnische Assistent*innen sind ausgezeichnet"

Um die Personaldecke im Bereich der OP-Pflege zu stärken, wurde in Österreich vor Kurzem ein neuer Gesundheitsberuf etabliert: Die Ausbildung zur operationstechnischen Assistenz, kurz OTA, befähigt speziell für die Arbeit im Operationssaal. Als eine der ersten heimischen Bildungseinrichtungen bietet die Pflegeschule Vorarlberg seit Mai 2023 den EU-weit anerkannten OTA-Lehrgang an. Lehrgangsleiterin Lydia Steiner erklärt im Gespräch mit INGO, was es mit der neuen Qualifikationsmöglichkeit auf sich hat.

In anderen Ländern gibt es diplomierte operationstechnische Assistent*innen (OTA) schon länger, aber für Österreich ist das ein sehr neues Berufsbild. Welche Aufgaben haben OTA?

Lydia Steiner: Die Aufgaben der OTA sind vielfältig. Im Wesentlichen umfassen sie die Betreuung, Überwachung und Positionierung der Patient*innen vor, während und nach einer Operation. Außerdem sind sie für die Vor- und Nachbereitung von Instrumenten, Geräten, Medikamenten und anderen Materialien zuständig. Sie instrumentieren während der Eingriffe und assistieren bei der Blutstillung sowie beim Absaugen von Spül- und Körperflüssigkeiten. Dabei berücksichtigen sie Hygiene- und Strahlenschutzmaßnahmen und setzen sie auch um. Diese und noch weitere Tätigkeiten führen OTA insbesondere im Rahmen von Operationen und endoskopischen Eingriffen wie etwa Magen- und Darmspiegelungen durch. 

Was ist der Unterschied zwischen einer OP-Assistenz (OPA), einer auf den OP-Bereich spezialisierten diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegeperson (DGKP) und einer OTA?

Die Ausbildung zur Operationsassistentin beziehungsweise zum Operationsassistenten (OPA) dauert ein Jahr. Zu deren Tätigkeiten zählt die Vorbereitung der Patient*innen wie zum Beispiel das Einschleusen, das Positionieren, die Sicherheitsfixierung oder die Rasur. OPA überprüfen auch die für die jeweilige Operation benötigten medizinischen Geräte und speziellen Materialien und stellen sie – unter Berücksichtigung der hygienischen und sicherheitstechnischen Vorgaben – bereit. Diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegepersonen (DGKP) sowie operationstechnische Assistent*innen (OTA) absolvieren zumindest eine dreijährige Ausbildung. Im Arbeitsalltag sind ihre Aufgaben in Hinsicht auf die Patient*innenbetreuung und das Instrumentieren meist gleichartig, auch die Bezahlung ist ähnlich. 

"Auch Quereinsteiger*innen sind herzlich willkommen."

Was ist das Besondere an der neuen Ausbildung zur OTA und an welche Interessent*innen-Zielgruppe richtet sie sich?

Das Besondere an der dreijährigen OTA-Ausbildung ist die gezielte Ausrichtung an den beruflichen Anforderungen der OP-Bereiche. Dementsprechend findet sie zu zwei Dritteln in der Praxis statt. Die Matura ist keine Voraussetzung, kann jedoch von Vorteil sein. Neben der generalistischen Diplompflegeausbildung, die in Österreich zukünftig nur mehr auf Bachelorniveau erfolgt, kann damit auch eher praktisch Orientierten eine Ausbildung in einem Spezialgebiet geboten werden. Attraktiv ist diese für all jene, die medizinisch interessiert sind, handwerklich über ein gewisses Geschick verfügen und unterschiedlichsten Menschen Verständnis entgegenbringen. Auch Quereinsteiger*innen sind herzlich willkommen. Ein weiterer Pluspunkt dabei ist die Möglichkeit der finanziellen Unterstützung, zum Beispiel durch die connexia – Gesellschaft für Gesundheit und Pflege gem. GmbH in Kooperation mit dem AMS. Gegebenenfalls ist bereits ab dem zweiten Ausbildungsjahr eine Anstellung an einem Vorarlberger Krankenhaus möglich. 

Seit 2022 sind die Tätigkeitsfelder der OTA und die Voraussetzungen für die entsprechende Ausbildung bundesgesetzlich geregelt. Welche Vorteile hat das? 

Dank dieser Vorgaben kann unter anderem in der Ausbildung und Berufsausübung Bezug auf gesetzlich definierten Kompetenzen genommen werden. Dies bietet Arbeitnehmer*innen Sicherheit und Arbeitgeber*innen Klarheit hinsichtlich der durchzuführenden Tätigkeiten. 

Wie sieht die OTA-Ausbildungslandschaft in Österreich aus? Zählt die Pflegeschule Vorarlberg hier zu den Vorreiterinnen?

In Vorarlberg ist die OTA-Ausbildung im Mai 2023 an den Start gegangen – meines Wissens ist unserer einer der ersten drei derartigen Lehrgänge in Österreich. Soweit ich informiert bin, werden demnächst mit Ausnahme des Burgenlands in allen Bundesländern OTA-Ausbildungen angeboten. Eine Vorreiter*innenrolle übernehmen wir in Vorarlberg unter anderem dadurch, dass wir derzeit die Einzigen sind, die hierzulande eine OTA-Ausbildung mit zusätzlichen Berufsabschlüssen anbieten: Im Rahmen der üblichen drei Schuljahre erwerben unsere Teilnehmer*innen zugleich auch Berufsqualifikationen als Gips- und Desinfektionsassistent*innen.

"Eine Besonderheit unseres Lehrgangs ist, dass wir verstärkt Kolleg*innen aus der OP-Praxis einbinden."

Wie läuft die OTA-Ausbildung an der Pflegeschule Vorarlberg ab?

Die OTA-Ausbildung unserer Schule ist so organisiert, dass sich im ersten Ausbildungsjahr Theorie und Praxis die Waage halten. Im weiteren Verlauf nimmt dann der Praxisanteil zu. Bereits am Ende des ersten Schuljahres entspricht die Kompetenz der Auszubildenden jener von Operationsassistent*innen. Ab dem zweiten Ausbildungsjahr wird insbesondere das Instrumentieren gelernt und trainiert. Dazu nützen wir auch den an unserer Schule eingerichteten Übungs-OP. Dieser ist fast wie ein echter OP ausgestattet und bietet den Auszubildenden ganz tolle Möglichkeiten.

Eine Besonderheit unseres Lehrgangs ist, dass wir verstärkt Kolleg*innen aus der OP-Praxis einbinden. So bildete das Schulteam bereits in der Planungsphase eine Arbeitsgruppe mit jeweils einem/einer OP-Vertreter*in aller Vorarlberger Landeskrankenhäuser und dem Krankenhaus Dornbirn. Gemeinsam einigten wir uns unter anderem darauf, dass die Bewerber*innen ein dreitägiges Vorpraktikum in einem OP eines der beiden Spitäler zu absolvieren haben und dieses von den Praxiskolleg*innen bewertet wird. Deren Benotung fließt zu 50 Prozent in den Bewerbungsprozess mit ein. Denn die OTA-Ausbildung kann aus unserer Sicht nur in einem konstruktiven Miteinander gut gelingen.

Welche Voraussetzungen müssen Interessent*innen für die OTA-Ausbildung mitbringen? 

Die Voraussetzungen für die Aufnahme in eine OTA-Ausbildung sind gesetzlich geregelt und umfassen zumindest die erfolgreiche Absolvierung der 10. Schulstufe beziehungsweise eine Berechtigung zur Ausübung der Operationsassistenz nach dem MAB-Gesetz. Zudem sind die zur Berufsausübung erforderliche gesundheitliche Eignung, Vertrauenswürdigkeit und Kenntnis der deutschen Sprache nachzuweisen. 

Hat man sich beim Curriculum an deutschen oder schweizerischen Vorbildern orientiert, wo es den Beruf der OTA ja schon länger gibt?

Wir orientieren uns am Curriculum der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG), welches 2022 im Auftrag des Bundesministeriums für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz unter Berücksichtigung des Curriculums des Deutschen OTA-Schulträger-Verbandes erstellt wurde. Vonseiten unserer Schule wurden im Vorfeld Kontakte mit etablierten Ausbildungseinrichtungen in Deutschland sowie der Schweiz aufgenommen. Unter anderem haben unsere Lehrer*innen die Pflegeakademie in Ludwigshafen am Rhein sowie die Höhere Fachschule Operationstechnik in St. Gallen besucht und sich mit erfahrenen Kolleg*innen vor Ort ausgetauscht. 

Der erste Vorarlberger OTA-Lehrgang ist im Mai 2023 am Standort Feldkirch der Pflegeschule Vorarlberg gestartet. Was lässt sich nach diesem ersten halben Jahr darüber berichten? 

Ungefähr die Hälfte der etwa vierzig Bewerber*innen stellte sich letztlich der Aufnahmekommission. Unter Berücksichtigung der eingeschränkten Praktikumsplätze an den Vorarlberger Landeskrankenhäusern sowie am Krankenhaus Dornbirn wurden zehn von ihnen in den ersten OTA-Lehrgang aufgenommen. Nach dem ersten Praktikumseinsatz brach eine Person die Ausbildung ab. Alle anderen sind noch mit vollem Eifer dabei und erbringen bei den Prüfungen überdurchschnittlich gute Leistungen. Derzeit absolvieren die Teilnehmer*innen ihren zweiten Praktikumseinsatz, in welchem sie sich schwerpunktmäßig mit der Lagerung und Positionierung von Patient*innen befassen. Besonderen Einsatz zeigen auch die Kolleg*innen an den Krankenhäusern in Bludenz, Bregenz, Dornbirn, Hohenems und Feldkirch. Ohne deren Bemühungen um die neue Klientel wäre diese Ausbildung nicht möglich.

Wie sind die Berufsaussichten für OTA? Sind sie gefragt?

Die Berufsaussichten sind ausgezeichnet. Dies zeigt sich unter anderem daran, dass die Vorarlberger Krankenhäuser bereits einem Großteil der aktuellen Kursteilnehmer*innen Fixanstellungen angeboten haben. 

Interview: Uschi Sorz; Fotos: privat

Lydia Steiner, DGKP, Bakk., MED

Stv. Schulleiterin des Standorts Feldkirch der Pflegeschule Vorarlberg

Steiner hat ihre Ausbildung zur DGKP in der Allgemeinen Krankenpflegeschule Innsbruck absolviert und 1987 abgeschlossen. 1990 erfolgte ihre Nostrifizierung zur Registered General and Obstetric Nurse in Neuseeland und 2000 der Abschluss des Lehrgangs zur Zahnarzt- und Prophylaxeassistentin der Zahnärztekammer Salzburg. Danach studierte Steiner an der UMIT in Hall in Tirol Pflegewissenschaft und schloss das Studium 2009 mit dem Bachelor ab. 2012 erwarb sie an der Pädagogischen Hochschule Feldkirch den Master in Andragogik. Des Weiteren schloss sie 2015 die Sonderausbildung Pflege im Operationsbereich am LKH Feldkirch und im selben Jahr die Sonderausbildung zur Pflegeexpertin am FHG Innsbruck ab. Steiner blickt auf 17 Jahre Berufstätigkeit in Ambulanz- und OP-Bereichen in Dornbirn, Feldkirch, Salzburg und Wellington, Neuseeland, zurück. Seit 2005 ist sie am Standort Feldkirch der Pflegeschule Vorarlberg tätig, wo sie stellvertretende Schulleiterin ist und unter anderem die Ausbildung zur OTA leitet. 

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