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Gesundheit
Oberösterreich
29.11.2022

„Ambulante Reha bringt den Menschen echte Vorteile!“

Wohnortnahe Rehabilitation ohne stationären Aufenthalt bei einer Vielzahl von Indikationen: Mit diesem neuen Angebot ist Reha.ambulant in Ried gestartet. So können Patient*innen mit unterschiedlichsten Erkrankungen wieder leistungsfähig werden und dabei in ihrem gewohnten Lebensumfeld bleiben. Der ärztliche Leiter Peter Golmayer will Menschen aber nicht nur „wiederherstellen“, sondern überzeugen, dass sie ihre gesundheitliche Zukunft weitgehend selbst in der Hand haben.

Reha.ambulant Ried gilt als völlig neues Gesundheitsangebot in Oberösterreich. Was ist das Besondere daran?

Peter Golmayer: In unserer Einrichtung werden sieben Rehabilitationsindikationen an einem Ort – am Standort des Krankenhauses der Barmherzigen Schwestern Ried – angeboten: für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stoffwechselerkrankungen, Lungenerkrankungen, Erkrankungen des Bewegungs- und Stützapparates und aus dem rheumatischen Formenkreis sowie für onkologische, neurologische und psychiatrische Erkrankungen. Erstmals ist diese Versorgung für die Menschen in der Region wohnortnahe möglich, mit wesentlichen Vorteilen gegenüber einer stationären Reha. 

Wie läuft die ambulante Rehabilitation ab? 

Sie dauert in der sogenannten „Phase II“ bis zu sechs Wochen. Bei Bedarf schließen sich weitere Einheiten im Rahmen einer „Phase III“ über drei bis zwölf Monate an. Das Betreuungsangebot umfasst medizinische Diagnostik- und Betreuungsleistungen, Physio- bzw. Trainingstherapie, Ergotherapie, Psychologie, Psychotherapie und Physikalische Therapie, aber auch Lebensstil-Empfehlungen von der Ernährungsberatung bis zur Stressbewältigung. Jeder Therapieplan wird im Rahmen des indikationsspezifischen Leistungsprofils der Versicherungsträger auf die individuellen Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten zugeschnitten.

War es schwierig, für dieses umfangreiche Angebot ausreichend Fachkräfte zu finden? 

Durch die Kooperation des Vinzenz Ambulatoriums mit seinen Partnern, der Privaten Krankenanstalt Wels und den BBRZ Med-Health Services, wird Expertise und Erfahrung aus den unterschiedlichen Reha-Bereichen gebündelt. Nur so konnte dieses ambitionierte Projekt umgesetzt werden. Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im multiprofessionellen Team war bewusst, dass sie sich auf etwas völlig Neues einlassen. Es erfordert Teamgeist, Kreativität, Selbständigkeit, Interesse an Neuem und die Bereitschaft, seinen Bereich innovativ mitzugestalten. Wichtig ist aber auch die Vernetzung mit externen Spezialisten, zum Beispiel Fachärztinnen und Fachärzten, und lokalen Gesundheitsanbietern, damit nach der Reha eine optimale Weiterbetreuung erfolgen kann.  

Welche konkreten Vorteile bringt die ambulante Rehabilitation für Patientinnen und Patienten? 

Sie leben in dieser Zeit in ihrer gewohnten Umgebung weiter, können vielfach ihren Beruf ausüben und privaten Verpflichtungen nachgehen. Sie erhalten eine rasche, gezielte und unkomplizierte rehabilitative Nachbehandlung. Die ambulante Reha ist außerdem ein gutes Zusatzangebot zur Versorgung von Patientinnen und Patienten mit chronischen Erkrankungen, etwa durch eine Phase-III-Rehabilitation im Wechsel mit Betreuung im niedergelassenen Bereich. Die wohnortnahe Reha ermöglicht auch eine bessere Abstimmung mit den vor- und nachbetreuenden Ärztinnen und Ärzten bzw. anderen Gesundheitsberufen. So lässt sich das bestehende Netzwerk im Sinne einer optimalen Betreuung nutzen. Das fördert Compliance und Adhärenz in der Arzt-Patienten-Beziehung.

Stellt die ambulante Rehabilitation an die Patientinnen und Patienten besondere Anforderungen? 

Wichtig sind Mitarbeit, Motivation und Offenheit für Veränderungen. Nur so können die Rehabilitationsziele langfristig umgesetzt werden. Wir werden niemand sozusagen durch die Reha tragen, sondern durchaus eine gewisse Strenge vermitteln. Den Patientinnen und Patienten muss bewusst sein, dass die ambulante Reha ein hochkarätiges Angebot der Sozialversicherungsträger und nicht selbstverständlich ist. Sie müssen wissen, dass das Angebot auf Freiwilligkeit beruht, aber nur dann erfolgreich sein kann, wenn sie bei der Umsetzung mitarbeiten. Natürlich müssen die Ziele der Rehabilitation von Anfang an realistisch angesetzt werden, um nicht durch Enttäuschungen zu demotivieren.

"Wir werden niemand sozusagen durch die Reha tragen, sondern durchaus eine gewisse Strenge vermitteln."

Rehabilitation kommt naturgemäß erst dann zur Anwendung, wenn es gesundheitliche Defizite gibt. Wäre nicht Prävention der bessere Zugang? 

Tatsächlich steht die ambulante Reha für eine Verschmelzung von beidem. Wir erwarten, dass unsere Patientinnen und Patienten schwerpunktmäßig noch berufstätig und damit vergleichsweise jung sind. Das erhöht die Chancen, durch geeignete Maßnahmen den Lebensstil dauerhaft zu modifizieren, die Gesundheit zu verbessern und die Lebensqualität zu erhöhen. Vor allem die Phase-III-Angebote lassen das realistisch erscheinen. Selbstverständlich sind wir ebenso für Patientinnen und Patienten da, die nicht mehr im Erwerbsleben stehen, damit sie in ihren Alltagsaktivitäten möglichst lange selbständig bleiben.   

Rehabilitation ist also mehr als „Reparatur“?

Ein großes Anliegen von uns ist es, das Gesundheitsbewusstsein zu stärken. Unsere Patientinnen und Patienten sollen erkennen, dass sie weitgehend selbst für ihre gesundheitliche Zukunft verantwortlich sind und dafür auch Verantwortung übernehmen. Krankheit kann ein schicksalhaftes Ereignis sein, ist es in der Regel aber nicht. Mit unserem Schulungsprogramm wollen wir nicht einfach belehren, sondern motivieren. Es kommt darauf an, Veränderungen zuzulassen und kleine Schritte mit großer Wirkung zu setzen.

Interview: Josef Haslinger

Peter Golmayer, Dr. MSc

Ärztlicher Leiter von Reha.ambulant am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Ried

Oberarzt Peter Golmayer hat im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Ried Ausbildungen zum Arzt für Allgemeinmedizin sowie zum Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation absolviert. Daneben hat er auch Diplome für komplementärmedizinische Verfahren wie Akupunktur, Manuelle Medizin und Neuraltherapie erworben. Er ist Ärztlicher Leiter von Reha.ambulant in Ried im Innkreis und betreibt eine Wahlarztordination in Tumeltsham.

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