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Gesundheit
Oberösterreich
21.08.2019

Gezielte Bewegung gegen das Vergessen

Ulrike Neuner ist Geschäftsführerin von health – medizinisches training der elisabethinen linz. Ab September bietet das Institut ein spezielles Trainingsprogramm zur Prophylaxe von Demenz an, das nicht nur gesunden Menschen hilft, sondern auch schon an Demenz Erkrankten guttun wird.

Laut Österreichischer Alzheimer Gesellschaft sind derzeit etwa 100.000 Personen in Österreich demenzkrank. Davon leiden rund 60 bis 80 Prozent unter Alzheimer-Demenz, 15 bis 20 Prozent unter einer vaskulären Demenz und zwischen sieben und 20 Prozent unter Lewy Body-Demenz. Häufig treten Mischformen auf. Was ist Antidemenz-Training?

Ulrike Neuner: Wir wissen heute, dass Bewegung uns Menschen guttut und dass Bewegung ein Teil unseres Lebens ist. Bewegung tut neben unseren Muskeln und Gelenken auch unserem Gehirn gut. Angemessenes Training ist das „Wundermittel“ gegen den Abbau unseres Gehirns, genauer gesagt gegen die Schrumpfung unseres Hippocampus, in dem täglich neue Nervenzellen gebildet werden. Außerdem bewirkt Training eine bessere Durchblutung und Blutzufuhr. Wir kennen das von anderen Erkrankungen. Wer etwa unter Typ 2-Diabetes, Bluthochdruck oder einer Fettstoffwechselstörung leidet, kann mit gezieltem Training die Erkrankung so bessern, dass Medikamente oftmals reduziert werden können und im besten Fall sogar nicht mehr nötig sind. Mit dem Antidemenz-Training wollen wir versuchen, gesunde Menschen so lange wie möglich auch gesund zu erhalten, um so auch der Demenz vorzubeugen. Bereits an Demenz Erkrankte wollen wir im Frühstadium optimal unterstützen, damit viele Fähigkeiten und Fertigkeiten, vor allem die Alltagsleistungsfähigkeit erhalten bleiben.

Gibt es dazu wissenschaftliche Evidenz?

Ja. Inzwischen wurde eine große Anzahl kleinerer Studien durchgeführt, die klar einen Vorteil eines Antidemenztrainings aufzeigen.

Was kann mit gezieltem Antidemenztraining bewirkt werden?

Zum einen verstärkt Ausdauertraining und Training, das mit kognitiver Aktivität einhergeht, eine Aktivierung und Verbesserung des Gehirnstoffwechsels. Auch das Körpergedächtnis wird angeregt. Informationen dazu bietet etwa das Buch: „Beweg dich! Und dein Gehirn sagt danke“ der Neurowissenschaftlerin Manuela Macedonia.

„Angemessenes Training ist das „Wundermittel“ gegen den Abbau unseres Gehirns.“

Wie ist das Antidemenz-Training entstanden?

Ich bin Sportwissenschafterin und Geschäftsführerin von health. Gemeinsam mit dem Gerontopsychiater Elmar Kainz vom Neuromed-Campus in Linz habe ich das Antidemenz-Training erarbeitet. Kainz setzt sich seit vielen Jahren mit Demenz auseinander und hat auf seiner Website www.demenz.info viele Beispiele für positive Einflussnahme auf Demenzerkrankungen. Prinzipiell bin ich zudem der Ansicht, dass Bewegung uns in vielfältigster Weise guttut. Es wird sicher nie ein einzelnes Medikament geben, das einen solch positiven und umfassenden Effekt auf den Organismus hat, wie dosierte, regelmäßige und gezielte Bewegung, die im besten Fall auch noch Spaß und Freude macht.

Wer ist Ihre Zielgruppe für das Antidemenz-Training?

Wir wollen dieses Trainingsprogramm allen unseren Kundinnen und Kunden anbieten – immerhin 600 Menschen trainieren regelmäßig bei uns. Es soll vorrangig gesunden Menschen zu Gute kommen, die der Demenz gezielt durch Training vorbeugen wollen, und auch jenen, die im Anfangsstadium einer Demenzerkrankung durch richtig dosiertes Training ihre Leistungsfähigkeit und viele Fertigkeiten erhalten wollen. Zudem macht Training in der Gruppe Spaß und fördert auch die soziale Aktivität. Wichtig ist: Betroffene müssen selbstständig zu uns kommen und das Trainingsprogramm erfassen können. Wir haben inzwischen auch Kundinnen und Kunden, die bereits an einer Frühform der Demenz erkrankt sind. Die setzen Bewegung bewusst ein – das ist ein Ansporn für uns, dieses Angebot auch anderen Menschen zugänglich zu machen.

Wie ist ein solches Antidemenz-Training aufgebaut?

Das Training, das wir ab Herbst starten werden, wird in Form eines Gruppentrainings angeboten. Ein Teil ist ein Ausdauerblock, bei dem die Teilnehmerinnen und Teilnehmer frei wählbar Radfahren, rudern, laufen, flott gehen, oder den Stepper nutzen können. Unsere Geräte verfügen über Bildschirme, die während des Trainings schöne Landschaften zeigen. Das trägt dazu bei, dass die Kundinnen und Kunden in eine leichte meditative Trance kommen. Ergänzt wird das Programm mit zum Beispiel. Tanzen, Yoga und Koordinationstraining, bei denen also neben dem Körper auch der Geist angeregt wird. Somit vereinen wir körperliche, soziale und geistige Aktivität, die Grundlagen der Demenz-Prophylaxe sind.

Interview: Sabine Fisch; Bilder: health - medizinisches training der elisabethinen linz

Ulrike Neuner, Mag.

Geschäftsführerin von health – medizinisches training der Elisabethinen Linz

Neuner ist Sportwissenschafterin, Trainingstherapeutin, Mediatorin und unter anderem Nordic Walking Instruktorin. Sie ist der festen Überzeugung, dass Bewegung ein „Wundermittel“ ist, das umfassend guttut.