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Gesundheit
Oberösterreich
16.12.2019

„Tendenziell sind die Ergebnisse der Behandlung besser“

Für Patientinnen mit Brustkrebs ist nach Operation und Chemotherapie oft noch eine Strahlentherapie notwendig. Am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern wird eine verkürzte Strahlentherapie angeboten, die gleiche Wirkung zeigt.

Kürzere Behandlung mit gleicher Wirksamkeit – diese Option konnte das Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern bereits mehr als 2000 Patientinnen mit Brustkrebs anbieten. Denn die seit 2008 eingesetzte hypofraktionierte Bestrahlung verkürzt die Strahlentherapie von bisher fünf Wochen auf nur mehr drei Wochen. Und sie ist dabei genauso effektiv wie die „klassische“ Bestrahlung, mit einem Plus an Lebensqualität.

Oberärztin Elisabeth Bräutigam, Radioonkologin am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern, erklärt das Prinzip: „Bei der hypofraktionierten Bestrahlung ist die Bestrahlungsenergie pro Tag etwas höher als bei der klassischen Bestrahlung. Dafür müssen die Patientinnen weniger häufig bestrahlt werden, die Gesamtenergie für die gesamte Behandlungsserie ist daher niedriger“.

Pionierarbeit bei onkologischen Erkrankungen

Bräutigam, seit November interimistische Ärztliche Direktorin des Ordensklinikums Barmherzige Schwestern, betreut seit 13 Jahren die Bestrahlung von Patientinnen mit Brustkrebs und anderen onkologischen Erkrankungen. An der Einführung der neuen Bestrahlungsmethode am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern war sie maßgeblich beteiligt. „Als wir die hypofraktionierte Bestrahlung 2008 einführen wollten, war diese Behandlungsmethode in Österreich noch ganz neu. Die publizierten Daten waren aber sehr interessant, daher habe ich einige Monate bei dem Professor in Großbritannien, der die Methode entwickelt hatte, mitgearbeitet. Ich wollte mir anschauen, wie es funktioniert und wie die Ergebnisse sind. Weil ich mir das vor Ort ansehen konnte und gute Erfahrungen mitbrachte, haben wir in Linz bald nach meinem Aufenthalt in London mit dieser Therapieform begonnen. Dadurch haben wir bereits so hohe Fallzahlen“, erklärt Bräutigam.

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Bei der hypofraktionierten Bestrahlung ist die Gesamtdosis der Strahlenenergie etwas geringer als bei der konventionellen Bestrahlung. „Tendenziell sind die Ergebnisse der Behandlung besser, auch bei der kosmetischen Auswirkung der Bestrahlung. Wir kontrollieren unsere Patientinnen und sehen, dass die Nebenwirkungen gleichwertig – wenn nicht sogar niedriger – sind als bei der konventionellen Bestrahlung“, versichert Bräutigam.

Verkürzte Behandlungsdauer erhöht die Lebensqualität

Ein großer Vorteil der hypofraktionierten Bestrahlung ist aber die erhöhte Lebensqualität, die Bräutigam bei vielen Patientinnen beobachtet. Da die Bestrahlung ambulant durchgeführt wird, müssen Patientinnen für die Dauer der Behandlung jeden Tag zur Therapie fahren – und wieder nach Hause. „Wenn Patientinnen von weiter her kommen ist die Anfahrt das Belastendste - komme ich rechtzeitig, schaffe ich meinen Termin? Und da die Strahlentherapie nicht in vielen Spitälern angeboten wird, reicht unser Einzugsgebiet bis Horn. Diese Patientinnen pendeln täglich über zwei Stunden, um dann hier in Linz für ein paar Minuten bestrahlt zu werden.“

„Tendenziell sind die Ergebnisse der Behandlung besser, auch bei der kosmetischen Auswirkung der Bestrahlung“, erklärt Oberärztin Elisabeth Bräutigam.

Während konventionell bestrahlte Patientinnen 25 Mal zur Strahlentherapie kommen müssen, reichen bei mit hypofraktionierter Bestrahlung behandelten Patientinnen 15 Termine. „Unsere Patientinnen sparen sich mit der kürzeren Behandlung zwei Wochen Therapiezeit. Das klingt im ersten Moment nach nicht so viel. Aber in der Phase der Bestrahlung haben unsere Patientinnen oft schon viel mitgemacht: Operation, Chemotherapie, manchmal auch lange Spitalsaufenthalte. Irgendwann ist man froh, wenn man nicht mehr so oft im Krankenhaus sein muss.

Erfolgreiche Ausweitung der Indikationsstellung

Nur manche Patientinnen mit Brustkrebs müssen noch konventionell, also länger, bestrahlt werden. „Frauen mit großer Brust werden noch nach dem alten Schema behandelt, da die Berechnung einer homogenen Strahlendosis schwieriger ist. Es könnte sonst zu Dosisspitzen kommen, die für die Haut zu belastend sind“, schränkt Bräutigam ein.

Aber das Ordensklinikum Linz konnte die Behandlung mit hypofraktionierter Bestrahlung seit ihrer Einführung auch auf weitere Patientengruppen ausweiten. „Mittlerweile bestrahlen wir auch Patientinnen, bei denen die Brust entfernt wurde, nach dem neuen Schema. Auch Patientinnen mit einer Brustkrebsvorstufe, dem duktalen Carcinoma in situ, werden nun nach der Operation mit hypofraktionierter Bestrahlung behandelt.“ Seit drei Jahren werden auch Patienten mit Prostatakrebs am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern nach einem verkürzten Schema bestrahlt, sie sparen sich damit mehr als drei Wochen Therapiezeit. „Unsere Patientinnen und Patienten haben das gleiche Ergebnis für weniger Stress und weniger Zeit im Krankenhaus – und auch für die Umwelt sind weniger gefahrene Taxikilometer besser.“

Text: Sophie Fessl

Elisabeth Bräutigam, Mag. Dr.

Ärztliche Direktorin des Ordensklinikums Linz Barmherzige Schwestern

Bräutigam ist Fachärztin für Radioonkologie und Oberärztin an der Abteilung für Strahlentherapie und Radioonkologie im Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern. Im Bereich der Krebstherapie ergänzt sie konventionelle Strahlentherapie mit komplementärmedizinischen Methoden. Dabei setzt die ausgebildete Allgemeinmedizinerin auf neueste Erkenntnisse aus der orthomolekularen Medizin sowie der Phyto- und Misteltherapie. Bräutigam schloss 2001 ihr Medizinstudium an der Universität Wien ab, fast gleichzeitig erhielt sie ihr Medizinrechtsdiplom. Danach absolvierte sie die Ausbildung zur Fachärztin für Radioonkologie, 2012 folgte außerdem die Sponsion zur Mag.a iuris an der Universität Wien. Seit ihrem Turnus ist Bräutigam am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern tätig, dazu kamen Studienaufenthalte am Royal Marsden Hospital in London und am Hirntumorzentrum in Frankfurt an der Oder. Seit November 2019 ist Bräutigam interimistische Ärztliche Direktorin des Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern.