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Gesundheit
Oberösterreich
05.07.2022

„Resilienz, innere Ruhe und Kompensationsmechanismen“

OA Priv. Doz. DDR. Reinhold Ortmaier von der Abteilung für Orthopädie am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern ist Kongresspräsident der Vinzenz Gruppe Kongresstage Orthopädie. Aufgrund der aktuellen Corona-Bestimmungen wurden die Kongresstage auf 11. bis 12. März 2022 verschoben.  

Die Kongresstage Orthopädie konzentrieren sich auf die Schulterchirurgie. Weshalb haben Sie diesen Schwerpunkt gewählt?


Reinhold Ortmaier: Anders als frühere Kongresstage haben wir mit dem Fokus auf die Schulterchirurgie – und hier insbesondere auf die Endoprothetik und die Rotatorenmanschetten-Chirurgie – ein sehr eng umrissenes Programm, bei dem wir sehr ins Detail gehen können. Die Schulterchirurgie hat sich in den letzten Jahren sehr rasch weiterentwickelt, besonders die Endoprothetik, also der künstliche Schultergelenkersatz, und die Rotatorenmanschetten-Chirurgie. Mit dem Schwerpunkt auf diesen zwei Gebieten konnten wir namhafte internationale und nationale Referentinnen und Referenten gewinnen, und auch das Expertenpublikum stammt aus In- und Ausland. Diese möchten natürlich absolute Highlights und seltene, schwierige Fälle besprochen sehen. Das bieten wir ihnen: Bei den Kongresstagen ist in Linz die Top-Liga der Schulterchirurgen und -chirurginnen zu Gast.

Das Motto des Kongresses ist ja „Was ist state-of-the art und was ist möglich“ – wie werden diese Aspekte beleuchtet?

Sowohl für den künstlichen Schultergelenksersatz als auch für die Rotatorenmanschetten-Chirurgie legen wir den Status quo dar; wir zeigen, wie diese 2021 fachgerechtet durchgeführt werden. Das diskutieren wir natürlich auf Basis von Studiendaten. Die Frage, was state-of-the-art ist, kann nur mit wissenschaftlicher Evidenz geklärt werden. Auch seltene, komplexe Verfahren werden mit Evidenz untermauert. Dann beleuchten wir im Detail, was möglich ist, und diskutieren aktuelle Studien. Nach diesen zwei Tagen sollten keine Fragen offen bleiben!

"Nach diesen zwei Tagen sollten keine Fragen offen bleiben!"

Welche Entwicklungen in der Endoprothetik werden thematisiert?

Die Endoprothetik hat sich sowohl beim Implantatdesign als auch bei neuen Operationstechniken weiterentwickelt und verbessert. Wie generell in der Medizin nimmt auch in der Schulter-Endoprothetik die Individualisierung der Therapie für den Patienten zu: Die Implantate werden zunehmend „maßgeschneidert“. Auch die Implantationshilfen, die uns während der Operation die Navigation erleichtern, oder Schablonen, welche die Genauigkeit bei der Positionierung erleichtern, werden individualisiert. Schließlich gibt es auch Fortschritte in der Planung und Umsetzung bei sehr schwierigen Situationen, zum Beispiel durch die präoperative 3D-Planung mittels CT und Sonderanfertigung von Individualimplantaten. Schwerpunkte sind daher die OP-Planung, die Personalisierung der Implantate, Techniken zur Rekonstruktion des Glenoids und das Management von komplexen Situationen.

Welche Innovationen im Bereich der Rotatorenmanschetten-Chirurgie stehen im Fokus?

Die Rotatorenmanschette ist ja die Muskel-Sehnen-Kappe, die den Oberarmkopf umgreift, und wird aus vier Muskeln im Schulterbereich gebildet. Hier möchten wir die verschiedenen OP-Techniken bei Ruptur der Rotatorenmanschette und die resultierenden Ergebnisse beleuchten. Vor allem die Operationsmethoden, die zum Einsatz kommen, wenn die Rotatorenmanschette nicht mehr genäht werden kann, stehen im Fokus: Welche Revisionsoperationen sind möglich, wann muss auf eine Ersatzoperation umgeschwenkt werden, wann sollte eine Muskelschwenklappenoperation durchgeführt werden? 

Welche Highlights erwarten die Teilnehmer?

Zahlreiche Experten werden ihre Daten präsentieren. Viele Experten aus dem deutschsprachigen Raum, aber auch aus England und Schweden sind Teil der faculty.  Zu erwähnen sind beispielsweise Prof. Anders Ekelund aus Schweden und Dr. Ludwig Seebauer aus Deutschland, zwei Mitentwickler der weltberühmten „Deltaprothese“. Die inverse Prothese ist DAS Implantat in der Schulterendoprothetik geworden, jährlich steigen die Implantationszahlen der inversen Prothese: Sie wird derzeit bei 90 bis 95 Prozent der Schulteroperationen als Prothese verwendet.

Die Keynote-Lecture hält der ehemalige Biathlet Christoph Sumann. Was können Orthopäden von Spitzensportlern lernen?

Christoph Sumann spricht zum Thema „Gewinnen und viel öfter verlieren“. Da geht es sehr viel um mentale Stärke und Motivation. Die Medizin ist – ähnlich dem Spitzensport – ein Feld, wo wir nicht nur körperlichen, sondern auch mentalen Stressoren ausgesetzt sind. Stundenlanges Operieren, lange Nachtdienste, Rückschläge in der Behandlung – die Medizin ist körperlich und mental strapazierend. Es benötigt daher Resilienz, innere Ruhe und Kompensationsmechanismen, um einen kühlen Kopf zu bewahren und mit Rückschlägen und Komplikationen umgehen zu können. Daher der Bogen zum Spitzensport, den wir mit dieser besonderen Keynote schlagen möchten.

Interview: Sophie Fessl; Fotos: depositphotos.com, Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern

 

Reinhold Ortmaier, OA Priv. Doz. DDr.

Kongresspräsident der Vinzenz Gruppe Kongresstage Orthopädie 2021

Ortmaier ist stellvertretender Abteilungsvorstand der Orthopädie am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern. Er studierte an der Paracelsus Medizinischen Universität Salzburg. Am Universitätsklinikum Salzburg absolvierte er die Ausbildung zum Facharzt für Unfallchirurgie, am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern die Ausbildung zum Facharzt für Orthopädie. Seit 2016 arbeitet Ortmaier am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern. 

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