INnovation
Gesundheit
Oberösterreich
27.07.2020

Flächendeckende Qualität in der Onkologie

Krebstherapien werden immer spezialisierter und komplexer. Um Patientinnen und Patienten die bestmöglicheTherapie anzubieten, haben daher die Vinzenz Gruppe, die elisabethinen linz – wien und die OÖ Gesundheitsholding das „Tumorzentrum Oberösterreich“ entwickelt.

Im Zentrum dieses Netzwerks stehen die Patientinnen und Patienten. Die Strukturen des Tumorzentrums sind „nur“ ein Werkzeug zur medizinischen Qualitätssicherung und Weiterentwicklung, betont Weltermann. „Der Sinn einer solchen Organisation ist, durch Messung der eigenen Behandlungsqualität eine Verbesserung der Behandlung von Krebspatienten zu erwirken. Um dieses Ziel zu erreichen, muss man sehr große Datenmengen sammeln und auswerten. Dann sieht man, wo man im nationalen und internationalen Vergleich steht. Die einzelnen Spitäler in Oberösterreich sind aber nicht groß genug und haben nicht die Patientenzahlen, um so einen Vergleich zu machen. Nur zusammen erreichen wir eine Größe, um tatsächlich unsere Behandlungsqualität zu dokumentieren und zu messen.“

Neukonzipierung als Chance

Schon im Jahr 2013 entstand zwischen dem Krankenhaus der Elisabethinen Linz und der gespag ein Tumorzentrum. Dieses wurde nun als Tumorzentrum Oberösterreich neu konzipiert, im März 2019 gegründet und Ende Jänner 2020 öffentlich vorgestellt. Die Neuaufstellung war eine Chance, erklärt Weltermann. „Im Rahmen unserer Neukonzipierung haben wir die Elemente übernommen, die sich im bestehenden Zentrum und bei den Spitalsträgern als besonders gut herausgestellt haben. So haben wir das jetzige Modell entwickelt, das sich auszeichnet durch gemeinsame Leitlinien, standardisierte Dokumentation und Datenerhebung, teilweise spitalsübergreifende Tumorboards, sowie durch Fort- und Weiterbildung im Rahmen der Krebsakademie.“

Für Brustkrebs, gynäkologische Tumore und Lungenkrebs werden spitalsübergreifende Tumorboards abgehalten, an denen Expertinnen und Experten aus allen Häusern des Tumorzentrums teilnehmen. Bei anderen Tumorentitäten arbeiten zwei oder mehrere Häuser zusammen, oder es besteht die Möglichkeit, bei Bedarf einen Patienten im Tumorboard eines anderen Krankenhauses im Netzwerk vorzustellen. „Wir haben mit Brustkrebs begonnen, wo wir auch nach EUSOMA zertifiziert sind“, berichtet Weltermann. „Aus meiner Erfahrung sehe ich, dass durch den Austausch zwischen Expertinnen und Experten die Behandlungsqualität verbessert ist. Immer wieder werden Behandlungsvorschläge des einzelnen Arztes im Tumorboard aus der guten Diskussion mit den anderen Fachexperten gemeinsam weiter optimiert.“

Leitlinien definieren Standards

Gemeinsame Leitlinien halten für alle teilnehmenden Krankenhäuser des Tumorzentrums fest, wie die Standardbehandlung abläuft. Damit haben Patientinnen und Patienten die Gewissheit, dass sie, egal wo sie in Oberösterreich aufgenommen werden, das gleiche Behandlungsangebot erhalten. Die flächendeckende Versorgung heißt allerdings nicht, dass jedes Haus alle Behandlungen anbietet. „Eine wohnortnahe Behandlung erfolgt bei über 80% der Patienten. Bestimmte technische Verfahren oder sehr komplexe Therapien können allerdings nur in einem der größeren Spitäler durchgeführt werden. Hier wechseln die Patienten das Spital.“

„Aus meiner Erfahrung sehe ich, dass durch den Austausch zwischen Expertinnen und Experten die Behandlungsqualität verbessert ist“, erklärt Ansgar Weltermann, Leiter des Tumorzentrums Oberösterreich.

Die Leitlinien bilden außerdem alle klinischen Studien ab, die in den Spitälern des Tumornetzwerks Oberösterreich angeboten werden. „Wir können Patienten eine für sie passende Studie anbieten, auch wenn sie nicht im wohnortnahen Spital verfügbar ist.“ Die PatientInnen entscheiden dann, ob sie das Spital wechseln, um an der Studie teilzunehmen, oder ob sie die Standardbehandlung im wohnortnahen Spital erhalten möchten – somit können auch PatientInnen, die in einem kleineren Spital diagnostiziert wurden, in moderne Studien eingebracht werden.

Ein Herzstück des Tumorzentrums ist die standardisierte Tumordokumentation. „Wir erheben die Daten aller unserer Krebspatienten, während der Behandlung und auch im follow-up danach. Jedes Jahr wird in den beteiligten Spitäler bei 6.000 Menschen die Diagnose Krebs gestellt. Diese Erkrankungen erfassen wir in der Tumordatenbank, unser Zahlenmaterial wächst und wächst damit. Durch die systematische Datenerhebung können wir medizinische Qualitätssicherung betreiben“, erläutert Weltermann. Anhand der Daten werden medizinische Kennzahlen berechnet, die einen Rückschluss auf die Behandlungsqualität zulassen, außerdem werden Kennzahlen internationaler Zertifizierungen verwendet. „Es gibt nicht einen einzigen Faktor, der die Qualität misst. In der Onkologie gibt es viele Aspekte, von der Psychoonkologie über die Lebensqualität bis hin zum medizinischen Outcome und der Langzeit-Toxizität. Jeden dieser Faktoren gilt es bei der Analyse der Medizinischen Qualität zu erheben und zu analysieren.“

Die Krebsakademie, eine Institution des Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern, ist ebenfalls ein wichtiger Teil des Tumorzentrums Oberösterreich. Die Krebsakademie bietet Weiterbildungen für Berufsgruppen an, die an der Versorgung von KrebspatientInnen beteiligt sind. Dieses Angebot steht nun dem gesamten Tumorzentrum zur Verfügung.

Initiative von ÄrztInnen führt zur Vernetzung der Spitäler

Die Idee einer flächendeckenden Versorgung von KrebspatientInnen kam ursprünglich von den ÄrztInnen selbst. „Die Ärztinnen und Ärzte wollten sich zwischen den Spitälern vernetzen und Standards für ihre Patienten entwickeln. Sie haben sich selbst organisiert, nun wird das Modell von den Geschäftsführungen und auch der Politik unterstützt“, berichtet Weltermann. „Uns ist ein Netzwerk gelungen, dass sich in Vorteilen für die Patienten niederschlägt. In der Vernetzung liegen eine Energie und eine Kraft, die man als einzelnes Spital nicht hat. Es war ein gutes Zusammentreffen konstruktiver Kräfte, die das geschaffen haben. Für Oberösterreich gilt: Wenn wir konkurrenzfähig sein und unsere Patienten in moderne Studien einbringen wollen, müssen alle Spitäler ihre Kräfte bündeln.“

Text: Sophie Fessl; Bilder: Ordensklinikum Linz