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Nur in etwa 20 Prozent aller Notarzteinsätze in Österreich sind tatsächlich notärztliche Maßnahmen erforderlich. Die Plattform Notfallmedizin Österreich fordert eine bessere Ausbildung der Sanitäter*innen.

In nur etwa 20 Prozent aller Notarzteinsätze werden in Österreich tatsächlich notärztliche Maßnahmen erforderlich, wie mehrere österreichweit durchgeführte Untersuchungen zeigen. In der Hälfte aller Fälle ist sogar keinerlei ärztliche Maßnahme notwendig. Damit sei das österreichische Rettungs- und Notarztwesen nicht nur ineffektiv, sondern auch unverhältnismäßig teuer, wie unter anderem der steirische Rechnungshof kritisiert. Auf diese Umstände macht die Plattform Notfallmedizin Österreich aufmerksam, die alle Notärzt*innen vertretenden Organisationen vernetzt.

„Die extramurale Ineffizienz schlägt natürlich auch in Form einer zunehmenden Überlastung der Notfallaufnahmen in den Kliniken durch“, so Univ.-Prof. Dr. Helmut Trimmel, MSc, der auch darauf hinweist, dass im EU-weiten Vergleich Österreich eine der höchsten Ärzt*innendichten aufweist, und eine hohe Zahl an Notärzt*innen, Notarztsystemen, HEMS-Standorten und damit verbundenen Notarzteinsätzen. Gleichzeitig stellt der Mangel an Notärzt*innen in vielen Regionen ein Problem für die extramurale Versorgung dar.

Ein wesentlicher Grund für nicht immer optimalen Einsatz sei die Tatsache, dass die Ausbildung der Sanitäter*innen in Österreich nicht mehr den Anforderungen einer modernen Notfallversorgung entspricht, kritisiert die Plattform Notfallmedizin Österreich. „Daher werden Notärzt*innen hierorts oft für Tätigkeiten eingesetzt, die in den meisten anderen EU-Ländern durch qualifiziertes Sanitätspersonal mit einer mehrjährigen Ausbildung in gleicher Qualität ausgeführt werden. Im Unterschied zu dieser mehrjährigen Qualifizierung verfügt die überwiegende Mehrzahl der Sanitäter*innen in Österreich über eine Ausbildung von weniger als 300 Stunden und selbst die rund 20 Prozent bestausgebildeten Notfallsanitäter*innen kommen auf maximal 980 Stunden“, sagt Helmut Trimmel. „Damit klafft zwischen der rettungsdienstlichen Basisversorgung und dem Notarztwesen mit seiner mindestens neunjährigen Ausbildung eine große Lücke.“ Dies stelle auch die Rettungsleitstellen in der Differenzierung ihrer Einsatzdisposition vor Probleme.

Ausnahmen stellen die Wiener Berufsrettung mit freiwilliger Höherqualifizierung und das Grazer Medizinercorps, Medizinstudierende mit Zusatzqualifikation, dar. In Systemvergleichen hätten solche dreistufigen Systeme eine deutliche Verschiebung der Einsatzindikationen zugunsten qualifizierter Sanitäter*innen und eine massive Reduktion der Notarzteinsätze gezeigt, betont die Plattform Notfallmedizin. Österreich sei derzeit bei Ausbildung und Status der Sanitäter*innen im internationalen Vergleich das Schlusslicht, zudem fehle eine berufsrechtliche Anerkennung.

Eine aktuelle Modellrechnung zeigt, dass eine gezielte Höherqualifizierung von rund 4.000 Diplom-Notfallsanitäter*innen für ganz Österreich, was neun Prozent aller Sanitäter*innen entspricht, nicht nur die Versorgungswirksamkeit verbessern würde, sondern auch wirtschaftlich effizient wäre: Dem Mitteleinsatz für die Ausbildung von rund 200 Millionen Euro über zehn Jahre stünden Entlastungspotentiale im Gesundheitswesen in Höhe von etwa 3,7 Milliarden Euro gegenüber, unter anderem aufgrund vermeidbarer Folgekosten.

„Die Plattform Notfallmedizin Österreich fordert daher dringend eine Verbesserung der Sanitäter*innen-Ausbildung und unterstützt das Konzept einer mehrjährigen Berufsausbildung für einen Teil der Sanitäter*innen“, so Helmut Trimmel. „Dies steht nicht im Widerspruch zum Fortbestehen des Ehrenamts.“ Das Sanitäter*innengesetz aus dem Jahr 2002 müsse rasch novelliert werden.

Foto: Freepik/bearbeitet

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