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Die aktuelle Zahl: 221 Milliarden

Aktuelles

Demenz verursacht Kosten von insgesamt 221 Milliarden Euro im Jahr in 30 europäischen Ländern, darunter Österreich, wie eine aktuellen Studie zeigt.

Demenzerkrankungen verursachen erhebliche gesellschaftliche Kosten, überwiegend in Form unbezahlter Pflegearbeit durch An- und Zugehörige, wie eine aktuelle Untersuchung zeigt. Ein internationales Team um Prof. Richard Dodel, Lehrstuhl für Geriatrie an der Universität Duisburg-Essen, hat 45 Studien ausgewertet, um die gesamtwirtschaftliche Belastung durch Demenz in 30 hochentwickelten europäischen Ländern zu berechnen. Ein zentrales Ergebnis: 221,4 Milliarden Euro pro Jahr an Kosten gehen auf Demenzerkrankungen zurück, umgerechnet 25.218 Euro pro Patient*in. Österreich liegt mit 25.245 Euro pro Patient*in und Jahr im europäischen Durchschnitt. Zwischen den Ländern schwanken die Kosten erheblich: von 10.136 Euro pro Patient*in in Ungarn bis 45.474 Euro in den Niederlanden.

Die Kosten entstehen den Forschenden zufolge durch zwei Komponenten: 58 Prozent entfallen auf informelle Pflege, also die oft über Jahre andauernde Betreuungsarbeit durch Angehörige, Freund*innen oder Nachbar*innen, die nicht nur emotional und physisch belastend, sondern auch von großer wirtschaftlicher Bedeutung ist. Die restlichen 42 Prozent verteilen sich auf direkte medizinische und pflegerische Leistungen wie Arztbesuche, Medikamente, stationäre Behandlungen oder Pflegeeinrichtungen.

„Indirekte Kosten, wie beispielsweise Produktivitätsverluste durch vorzeitigen Ruhestand oder Arbeitsausfall von Angehörigen, tragen nur geringfügig zu den Gesamtkosten bei“, sagt Dodel. Dies zeige, dass die Belastung für die Gesellschaft vor allem durch die intensive, oft unbewertete Arbeit von pflegenden Familien entsteht. Die Forscher*innen fordern daher, Demenz nicht nur als medizinisches, sondern auch als gesellschaftliches Thema zu begreifen. Dodel: „Eine bessere Prävention, frühere Diagnosen und stärkere Unterstützung für pflegende Angehörige könnte die Belastung für Betroffene und ihre Angehörigen deutlich reduzieren.“

Mit dem Aufkommen neuer biologischer Therapien, die die Krankheitsentwicklung verlangsamen können, könnte sich die Kostenstruktur in Zukunft verändern. Diese Behandlungen erfordern frühzeitige Diagnose, spezielle Tests und intensive Überwachung, was zunächst die Kosten erhöhen könnte. Langfristig könnten sie jedoch die Belastung für Pflegekräfte und Familien und auch die Kosten verringern. Die Forschenden betonen, dass die bisherigen Schätzungen aufgrund der Datenlage nur für hochentwickelte europäische Länder gelten. Daten aus Ländern mit niedrigerem Einkommen sind bisher unzureichend. Die Entwicklung und die Umsetzung neuer therapeutischer Ansätze und politischer Maßnahmen werde entscheidend sein, so die Autor*innen der Untersuchung, um die zukünftigen sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen der Demenz zu bewältigen.

Quelle: Montes-Martinez M, Welter LS, Boon P et al.: The economic burden of dementia in Europe: COIN-Eu dementia. Journal of Alzheimer's Disease, 2026; 113(2): 628–639. DOI: 10.1177/13872877261465575

Titelbild: Freepik/Magnific (bearbeitet)

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