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Die aktuelle Zahl: 37

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Nur 37 Gerichtsmediziner*innen sichern derzeit die Versorgung in Österreich, viele stehen kurz vor der Pension. Der akute Personalmangel führt bereits zu langen Wartezeiten bei Obduktionsgutachten. Gleichzeitig steigt der Bedarf deutlich, während es an Ausbildungsplätzen fehlt.

Text: Birgit Kofler

37 Ärzt*innen mit der Fachberechtigung Gerichtsmedizin gibt es derzeit in Österreich, ihr durchschnittliches Alter liegt bei 53,35 Jahren. Auf diese heikle Personalsituation weist der Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Gerichtliche Medizin Ass.-Prof. Dr. Mario Darok (MedUni Graz) hin. An den vier gerichtsmedizinischen Instituten Österreichs in Graz, Innsbruck, Salzburg und Wien arbeiteten per Anfang 2024 nur 18 Fachärzt*innen für Gerichtsmedizin, von denen die Hälfte bis 2034 das Pensionsalter erreichen werden.

Der Personalmangel habe bereits deutliche Folgen, warnt der Präsident der Österreichischen Ärztekammer Johannes Steinhart. Der Rechnungshof hat in seinem jüngsten Bericht zum Thema festgehalten, dass in Wien ein Obduktionsgutachten durchschnittlich 152 Tage dauert, in Graz 77 Tage. In manchen Fällen würde der gesamte Arbeitsaufwand an einer einzigen Person hängen.

Zudem steigt der Bedarf an gerichtsmedizinischen Leistungen. In den Gewaltambulanzen etwa steige die Tendenz der Fälle deutlich, in Wien gebe es rund 1.000 Fälle pro Jahr, in Graz würden heuer 500 Fälle erwartet, sagt Mario Darok. „Das wirkt sich auf die Arbeitsauslastung aus. Wir benötigen mehr Ausbildungsstellen – die Verlegung der Zuständigkeit für die Ausbildungsstätten von den Landesärztekammern an die Bundesländer hat die Situation nicht vereinfacht.“ Zu bedenken sei auch, dass die Ausbildung in der Gerichtsmedizin nur an Uni-Instituten möglich ist. „Die Bedingungen dort müssen weiter verbessert werden, in erster Linie die Zahl der Ausbildungsstellen, dies in enger Abstimmung mit den Bundesländern“, so der Gerichtsmediziner.

Als Beispiel und Vorbild könnte das Nachbarland Italien gelten: „In Bari allein gibt es 45 Ärztinnen und Ärzte in Facharzt-Ausbildung, die in einer Art ‚Facharzt-Schule‘ von 12 Fachärzten über die Jahre ausgebildet werden. In Pavia, einer Stadt mit 71.000 Einwohnern, gibt es 34 Assistentinnen und Assistenten in Facharzt-Ausbildung bei 15 Fachärzten“, berichtet Darok.

Titelbild (c) Freepik

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