
Kurzsichtigkeit erhöht das Risiko für schwere Augenerkrankungen, etwa jenes für eine myope Makulopathie um 58 Prozent. Augenärzt*innen fordern gezielte Prävention und Screenings.
Immer mehr Menschen in Europa sind kurzsichtig: Große internationale Prävalenzstudien zeigen diesen Trend deutlich. Bis 2050, schätzen Expert*innen, wird rund die Hälfte der Bevölkerung unter Myopie leiden - auch in Österreich, warnt die Österreichische Ophthalmologische Gesellschaft (ÖOG).
Das ist auch deshalb eine schlechte Nachricht, weil es häufig zu Folgeerkankungen kommt: So erhöht sich das Risiko bei Kurzsichtigen, an einer myopen Makulopathie zu erkranken, um 58 Prozent, das Risiko für ein Offenwinkelglaukom um 20 Prozent und das Risiko für eine Netzhautabhebung um 30 Prozent.
„Diese Daten unterstreichen die medizinische Notwendigkeit von Maßnahmen zur Früherkennung und Behandlung der Myopie-Progression“, so MR in Dr. in Gabriela Seher, Präsidentin der ÖOG. Sie plädiert für „eine gezielte Prävention durch regelmäßige augenärztliche Kontrollen in den ‚heiklen‘ Altersgruppen.“
In einem kürzlich von der ÖOG veröffentlichtem „Weißbuch der Augenheilkunde“ schlägt die ÖOG vor, dass Prävention gemeinsam von Gesundheitspolitik, Sozialversicherung und Versorgungspartner*innen vorangetrieben werden sollte. Die ÖOG empfiehlt in diesem Zusammenhang eine breit angelegte Informationskampagne zur Augengesundheit, gezielte Untersuchungen bei Kindern, insbesondere Myopie-Screenings in Kindergärten und Volksschule, sowie eine bessere augenärztliche Betreuung älterer und hilfsbedürftiger Menschen.
Eine frühe Diagnostik sei bei den meisten Augenerkrankungen entscheidend, weil ein Sehverlust häufig irreversibel verläuft. „Die Untersuchung im Mutter-Kind-Pass ist daher ebenso wichtig wie eine jährliche Kontrolle im Kindes- und Jugendalter, um etwaige Sehstörungen, insbesondere die Myopie, frühzeitig zu entdecken und entsprechend zu behandeln und auch im Erwachsenenalter etwaige Folgeerkrankungen rechtzeitig abzufangen“, so ÖOG-Präsidentin Seher.
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