
Serie „Bessere Versorgung durch Kooperation“: Die HerzReha Bad Ischl wird seit 2010 gemeinsam mit der Vinzenz Gruppe und der Sozialversicherung der Selbständigen (SVS) betrieben. Franz Kastner beschreibt wesentliche Faktoren der erfolgreichen Zusammenarbeit.
Text: Annemarie Kramser
Mag. (FH) Franz Kastner kennt Kooperation aus Erfahrung, nicht nur aus Theorie. In seiner Laufbahn war er an zahlreichen Partnerschaften beteiligt: mit Ordenseinrichtungen, Unternehmen und öffentlichen Institutionen im Gesundheitswesen. Bei der Kooperation mit der Sozialversicherung der Selbständigen (SVS) in Bad Ischl, wo die HerzReha betrieben wird, war er der erste Geschäftsführer der gemeinsam betriebenen Einrichtung. Die SVS ist zu 51 Prozent, die Vinzenz Gruppe zu 49 Prozent an der Betriebs-GmbH beteiligt, die Betriebsführung liegt in den Händen der Vinzenz Gruppe.
Die Eröffnung der generalsanierten HerzReha Bad Ischl markiert für Franz Kastner, aktuell Leiter des Kompetenzfeldes Rehabilitation und des Kompetenzfeldes Future Health in der Vinzenz Gruppe, einen wichtigen Etappenpunkt – auch in der Zusammenarbeit mit der SVS.
„Man hat gespürt, dass es für beide Seiten passt“, erinnert er sich. „Die Patient*innen profitieren, und es herrscht gegenseitiger Respekt.“ Der Beitrag der Vinzenz Gruppe beschränkte sich bei der Generalsanierung nicht auf den operativen Betrieb. Sie übernahm früh als Mitdenkende Verantwortung. Kastner: „Wir hätten sagen können: Die SVS baut, wir warten. Aber das war nie unsere Haltung. Wir haben uns beratend, steuernd und mitgestaltend eingebracht.“
Auch bei der Namensgebung dominierte kein strategisches Kalkül, sondern der gemeinsame Gedanke. So entstand die Marke HerzReha Bad Ischl. Ein Name ohne institutionelle Signatur, aber mit gemeinsamer Identität. „Es ging nie darum, wer im Vordergrund steht“, so Kastner. „Es ging darum, wofür wir gemeinsam stehen.“
Kooperation, sagt er, lebt vom Kompromiss und vom Vertrauen. Beides sei unverzichtbar, wenn man gemeinsam vorankommen wolle. Und sie lebt vom Willen, auch dort weiterzugehen, wo der eigene Einflussbereich endet. „Man muss bereit sein, loszulassen. Andere Wege zuzulassen. Und zu akzeptieren, dass nicht alles exakt dem eigenen Plan entspricht. Trotzdem oder gerade deshalb entsteht ein gemeinsamer Mehrwert.“
Vertrauen sei kein fixer Zustand, sondern ein Arbeitsprozess. Wie in einer partnerschaftlichen Beziehung, sagt Kastner müsse sie laufend gepflegt werden.
Rollenklarheit helfe dabei ebenso wie die Bereitschaft, Räume zu öffnen und Grenzen auszuhalten. „Manchmal werden Linien überschritten. Das ist in Ordnung, solange man frühzeitig miteinander redet. Nicht erst, wenn die Kommunikation formell wird.“
Kooperation, so Kastner, ist kein System. Sie ist Beziehung und damit abhängig von den Menschen, die sie gestalten: „Es steht und fällt mit den handelnden Personen.“ Er denkt in Bildern. Etwa in jenem des Musikers Max Raabe, der sagte: „Jeder Wolkenkratzer hat einmal im Keller begonnen.“ Für Kastner beschreibt das den Kern jeder tragfähigen Zusammenarbeit. Zuerst ein starkes Fundament bauen, dann das Gebäude: „Wer zu früh an der Fassade arbeitet, riskiert, dass alles instabil bleibt.“
Dasselbe gilt für interne Projekte, etwa innerhalb der Vinzenz Gruppe. „Auch da müssen wir bei Kooperationen zuerst klären: Auf welchem gemeinsamen Fundament stehen wir? Was erwarten wir voneinander? Was brauchen wir?“ Gerade wenn Menschen lange zusammenarbeiten, schleichen sich Routinen ein, so Kastner: „Man glaubt, man kennt sich. Aber man hat nie wirklich die Basis definiert und wundert sich dann, dass Sand ins Getriebe kommt.“
Ein aktuelles Beispiel ist das junge Vinzenz Gruppe-Kompetenzfeld Future Health, das Kastner gemeinsam mit einer Kollegin leitet. „Wir waren versucht, sofort in die Umsetzung zu gehen. Viel zu schnell, viel zu weit oben. Daher haben wir bewusst innegehalten und begonnen zu definieren, worauf wir bauen.“

Eine Zweckgemeinschaft funktioniert kurzfristig. Eine Kooperation trägt langfristig, weil sie Beziehung schafft.
Mag. (FH) Franz Kastner
Kooperation, sagt er, beginnt nicht mit Prozessen, sondern mit Gesprächen. Über Rollen, Zuständigkeiten und Erwartungen. Und über die Frage, wie man mit Spannungen umgeht, denn sie werden kommen. Dass Kooperation mehr ist als ein vertragliches Konstrukt, zeigt sich auch im Umgang mit den beiden unterschiedlichen Organisationskulturen von Vinzenz Gruppe und SVS. Auf der einen Seite die SVS, ein gesetzlicher Sozialversicherungsträger mit vielen Entscheidungsträger*innen und Prozessen, in der Entscheidungen oft über mehrere Ebenen abgestimmt werden müssen. Auf der anderen Seite die Vinzenz Gruppe mit flacheren Hierarchien, kurzen Wegen und einer Haltung, die auf Eigenverantwortung setzt.
„Wir sind nicht angetreten, um zu missionieren“, sagt Kastner über das Selbstverständnis der Vinzenz Gruppe als christlich geprägtes Unternehmen. „Wir wollen über Haltung überzeugen, nicht über Symbole.“ Das Kreuz dürfe sichtbar sein, ergänzt er, „aber wir tragen es nicht vor uns her.“ In der HerzReha Bad Ischl wurde inzwischen eine Seelsorge eingerichtet, offen für alle Patient*innen – aber als Angebot, nicht als Bekenntnis.
Was Kooperation von Zweckgemeinschaft unterscheidet, bringt Kastner auf einen einfachen Nenner: Tiefe. „Eine Zweckgemeinschaft funktioniert kurzfristig. Eine Kooperation trägt langfristig, weil sie Beziehung schafft.“
Deshalb, so seine Überzeugung, ist Kooperation die stabilste Form des Zusammenarbeitens. Sie verlangt Geduld und oft auch Ausdauer. „Kooperation ist wie Demokratie: nicht immer bequem, aber auf Dauer das tragfähigste Modell.“
Und er wird grundsätzlich: „Ohne Kooperation geht heute nichts mehr. Wer sich abschottet, verliert zuerst nach außen und dann nach innen den Anschluss.“ Jenseits aller Strategien und Modelle bleibt Kooperation ein menschliches Geschehen und lässt sich oft am treffendsten in einfachen Worten beschreiben. „Sitz di her, samma mehr“, sagt man in Oberösterreich.
Franz Kastner hat den Satz weitergedacht: „Sitz di her, samma besser.“ Ein einfacher Spruch und zugleich ein Plädoyer für eine Haltung, die auf Nähe, Vertrauen und gemeinsames Gestalten setzt. Kooperation ist für ihn ein Zeichen von Souveränität: „Trampeltiere sterben aus. Aber wer bereit ist, gemeinsam zu gehen, der bleibt bestehen.“






Klinik

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Gemeinsamer Auftrag statt Einzelinteressen
Vertrauen als kontinuierliche Aufgabe
Klare Rollen und Verantwortlichkeiten
Offene Kommunikation besonders bei Konflikten
Respekt vor unterschiedlichen Kulturen und Zugängen
Geduld beim Fundament, bevor man hoch hinaus will
Gelebte Werte statt sichtbare Logos
Fokus auf Menschen, nicht nur auf Prozesse
Bereitschaft zum Kompromiss
Langfristiges Denken statt kurzfristiger Zwecklogik
Fotos: Titelbild, Fotostrecke: © HerzReha Bad Ischl; Portraitfoto von Franz Kastner © privat