Thomas Pavek © Robert Harson
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Partnerschaft mit echter Tiefe

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Serie „Bessere Versorgung durch Kooperation“: Aus einer Zweckgemeinschaft zwischen dem Barmherzige Schwestern Krankenhaus Wien und der Caritas Socialis wurde eine bewährte Kooperation in der Palliativversorgung.

Text: Annemarie Kramser

Anfang der 2000er-Jahre gab der Orden der Barmherzigen Schwestern, Trägerin des gleichnamigen Krankenhauses in Wien, den klaren Auftrag: Das Spital sollte eine Palliativversorgung aufbauen. Zur selben Zeit stand auch das Hospiz der Caritas Socialis (CS) in Wien vor einem Problem: Es hatte keine Anbindung an eine palliativmedizinische Abteilung eines Krankenhauses. Beide Einrichtungen waren an ihre Grenzen gestoßen.

Die Möglichkeiten waren begrenzt: Entweder jede Einrichtung entwickelt ihr eigenes Angebot mit viel Aufwand, was für zwei gemeinnützige Organisationen kaum machbar war. Oder man geht den Weg gemeinsam und bündelt, was beide können.

Aus der Entscheidung für die zweite Option entstand eine Partnerschaft, die auf den ersten Blick ungewöhnlich schien und doch genau das brachte, was fehlte: Die Caritas Socialis brachte Expertise und Haltung aus der Hospizbewegung ein. Das Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Wien konnte als Akutkrankenhaus eine Palliativstation betreiben.

Beide Einrichtungen hatten ihre Wurzeln in der Ordenswelt und waren doch zwei sehr unterschiedliche Welten, die sich zusammentaten, um eine Versorgungslücke zu schließen.

Es war daher keine Liebe auf den ersten Blick, sondern eine Zweckgemeinschaft mit einem klaren Ziel: Patient*innen in ihrer letzten Lebensphase bestmöglich zu versorgen.

Ein Krankenhaus tickt anders als ein Hospiz. „Die Größe und Struktur eines Spitals verleiten leicht dazu, die eigene Sichtweise vorzudrängen“, sagt Thomas Pavek, Geschäftsführer des Barmherzige Schwestern Krankenhaus Wien, rückblickend. Doch die Caritas Socialis wollte nie ein Krankenhaus sein, sondern ein Hospiz mit eigenem Geist und eigener Kultur.

In den ersten Jahren der Zusammenarbeit war dieser kulturelle Unterschied oft spürbar. Das eine System denkt in Abläufen, das andere in Beziehungen. Dort Protokoll und Zeitfenster, hier Rituale und Offenheit. Heute liegt genau darin eine besondere Stärke: Die Unterschiedlichkeit der beiden Einrichtungen befruchtet die Kooperation immer wieder neu. Weil man gelernt hat, zuzuhören, loszulassen, einander Raum zu geben.

Kooperationen wie diese zeigen, dass kulturelle Unterschiede kein Hindernis sein müssen solange sie bewusst mitgedacht und behutsam behandelt werden. Dann entsteht ein echtes Miteinander, in dem beide Seiten wachsen und die Patient*innen spürbar profitieren. Wo das nicht gelingt, drohen Missverständnisse, Reibung und letztlich Stillstand.

Nähe zu Patient*innen als Erfolgsfaktor

Am deutlichsten spürbar wird die Kooperation dort, wo sie den Patient*innen ganz direkt begegnet. Ärzt*innen der BHS, Pflegekräfte und Mitarbeiter*innen der CS treffen sich vier Mal im Jahr, um konkrete Fälle und Abläufe zu besprechen. Auf dieser Ebene spielt nicht die Hierarchie die Hauptrolle sondern was den Patient*innen und ihren Familien wirklich hilft.

Je weiter man sich von der konkreten Versorgungsebene entfernt, desto herausfordernder wird das Zusammenspiel. Auf Managementebene treffen zwei Welten aufeinander: ein Krankenhaus mit Akutlogik, das durch klare gesetzliche Vorgaben und strenge Finanzierungsregeln geprägt ist und eine Einrichtung mit Hospiztradition, in der Langzeitpflege und Beziehungsarbeit im Mittelpunkt stehen.

Die Kooperation verlangt unter diesen Voraussetzungen viel gegenseitiges Einfühlungsvermögen und die Bereitschaft, Kontrolle auch einmal abzugeben.

Eine der wichtigsten Lernerfahrungen: Wer kooperiert, muss loslassen können. Für die Vinzenz Gruppe hieß das, anzuerkennen, dass die Caritas Socialis eigene Vorstellungen mitbringt und sie als gleichwertigen Beitrag in die Kooperation einzubinden. Umgekehrt lernte auch die Caritas Socialis, Kompromisse einzugehen und sich als Teil eines größeren Ganzen zu verstehen.

Ein Modell für andere?

Die Kooperation zwischen der Vinzenz Gruppe und der Caritas Socialis bewährt sich mittlerweile seit fast einem Vierteljahrhundert und gilt heute als Modell mit Zukunft.

Sie bestätigt: Im Non-Profit-Bereich geht es nicht um Profitmaximierung, sondern darum, eine Not zu lindern und gemeinsam Verantwortung zu übernehmen.

Doch auch dort, wo nicht Gewinn das Ziel ist, braucht es ein starkes Band, das eine Partnerschaft über Höhen und Tiefen hinweg trägt.

In unserem Fall ist dieses Band der gemeinsame Auftrag, Menschen in schwierigen Lebensphasen beizustehen und ihnen ein Stück Würde, Halt und Zuwendung zu geben.

Und vielleicht kann diese Zusammenarbeit auch anderen Einrichtungen Mut machen: Partnerschaften brauchen klare Strukturen, einen langen Atem und die Fähigkeit, sich in die Welt des anderen einzufühlen. Wenn das gelingt, entsteht ein Miteinander, das verlässliche Betreuung in sensiblen Lebensphasen ermöglicht und Mitarbeitenden einen klaren Rahmen und gemeinsame Orientierung gibt.

Dann wird aus einer Zweckehe eine Partnerschaft mit echter Tiefe.

Kulturarbeit braucht Zeit

Was auf struktureller Ebene gut abgesichert ist, muss sich im Alltag erst bewähren. Minihuber beschreibt dabei die Unternehmenskultur als größte Herausforderung der Zusammenarbeit. Für die Kooperation haben die beiden Krankenhäuser unterschiedliche Handlungsfelder definiert: von administrativen Themen bis zur medizinischen Versorgung. Nicht alle dieser Kooperationsfelder lassen sich gleich einfach erschließen. Während Bereiche wie die Personalentwicklung mehr Spielraum bieten, stellen medizinische Themen oft größere Herausforderungen dar.

Gerade dort, wo Kooperationsfelder anspruchsvoll sind, zeigt sich, wie Zusammenarbeit gelingen kann. Kooperation lässt sich nicht per Weisung durch die Geschäftsführung verordnen. Sie braucht Respekt, Geduld und das bewusste Zulassen von Entwicklungszeit, besonders bei schwierigen Themen. Vertrauen entsteht nicht durch Struktur allein, sondern durch gelebte Praxis. Erst über Best-Practice-Beispiele wächst die Bereitschaft, sich schrittweise auch an komplexere Projekte heranzuwagen.

Learnings aus der Kooperation zwischen BHS Wien und Caritas Socialis

  • Kooperation braucht Vertrauen und einen langen Atem. Sie ist kein Projekt, sondern ein Prozess.

  • Kulturelle Unterschiede sind kein Hindernis, sondern ein Gewinn. Gerade in der Spannung kann Neues zum Vorteil der Patient*innen entstehen.

  • Im Non-Profit-Bereich zählt nicht der Profit, sondern der Mensch. Die gemeinsame Ausrichtung auf den Menschen ist oft der stärkste Kitt in einer Kooperation. Stärker als jedes finanzielle Interesse.

  • Strukturen geben Halt, Offenheit hält Kooperationen lebendig. Qualitätsstandards sichern die Basis, Pragmatismus und Dialog füllen sie mit Leben.

Titelbild: Thomas Pavek © Robert Harson

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