Johann Minihuber (c) KH BHS Ried/Hirnschrodt
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„Was trägt, braucht Zeit, um zusammenzufinden“

Versorgung
Innovation & Forschung

Serie „Bessere Versorgung durch Kooperation“: Das Ordensklinikum Innviertel als Kooperationsprojekt von zwei Krankenhäusern dient der Stärkung der regionalen Versorgung: Geschäftsführer Johann Minihuber im Gespräch.

Text: Annemarie Kramser

Johann Minihuber ist ein Profi der Kooperation. Er ist Geschäftsführer des Krankenhauses der Barmherzigen Schwestern Ried im Innkreis. Zudem ist er Geschäftsführer der Ordensklinikum Innviertel Holding GmbH. Gemeinsam mit dem Geschäftsführer des Krankenhauses St. Josef Braunau, bildet er die Doppelgeschäftsführung der Holding, die die Kooperation der beiden Standorte steuert und deren Aufgabe es ist, diese strategisch weiter zu entwickeln.

Seit Mai 2024 ist er auch Geschäftsführer der OÖ Ordensspitäler Koordinations GmbH und vertritt die gemeinsamen Interessen der oberösterreichischen Ordensspitäler nach außen. In dieser Rolle koordiniert er die Zusammenarbeit der beteiligten Häuser und fungiert als zentrale Ansprechperson auf Landesebene.

Aus dieser Doppelperspektive – strategisch wie operativ, regional verankert und überregional vernetzt – spricht Johann Minihuber im Interview über Voraussetzungen, Spannungsfelder und Erfolgsfaktoren gelingender Krankenhaus-Partnerschaften im Non-for-Profit-Bereich.

Zusammenarbeit aus Verantwortung für die Region

Im Innviertel ist die Kooperation der beiden Krankenhäuser in Braunau und Ried aus der gemeinsamen Verantwortung für eine wohnortnahe, qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung gewachsen. Der Erhalt und die Weiterentwicklung der Ordensspitäler ist für Johann Minihuber untrennbar mit neuen Formen der Zusammenarbeit verbunden, die sichtbar gegenüber der öffentlichen Hand und wirksam für die Menschen in der Region sind.

Mehrere Jahrzehnte führten die Krankenhäuser Braunau und Ried Gespräche über eine Zusammenarbeit. Leider nicht immer mit einem verbindlichen Ergebnis. Die gemeinsame Verantwortung für eine qualitativ hochwertige, wohnortnahe Versorgung der Bevölkerung gab letztlich den Ausschlag, verbindlich zusammenzufinden.

Verbindlichkeit statt Symbolik

Beide Partner gaben ihrer Zusammenarbeit mit einer Holding-Struktur einen verbindlichen Rahmen. Nicht Vereinheitlichung, sondern gemeinsame Stärke nach außen stand dabei im Mittelpunkt. Seither treten die beiden Krankenhäuser gegenüber dem Land geschlossen auf wie etwa bei Verhandlungen oder strategischen Fragen der Versorgung.

Bewusst wählten sie mit dem Ordensklinikum Innviertel eine gemeinsame Dachmarke. Namen und Auftritt der beiden Krankenhäuser bleiben erhalten. Unterschiedliche Orden und Kulturen sollen sichtbar bleiben. Das vinzentinische Profil des BHS Ried und das franziskanische des St. Josef Krankenhauses Braunau stehen für gelebte Haltungen. Die Kooperation lebt nicht von Angleichung, sondern von der Anerkennung der Unterschiedlichkeit.

Kulturarbeit braucht Zeit

Was auf struktureller Ebene gut abgesichert ist, muss sich im Alltag erst bewähren. Minihuber beschreibt dabei die Unternehmenskultur als größte Herausforderung der Zusammenarbeit. Für die Kooperation haben die beiden Krankenhäuser unterschiedliche Handlungsfelder definiert: von administrativen Themen bis zur medizinischen Versorgung. Nicht alle dieser Kooperationsfelder lassen sich gleich einfach erschließen. Während Bereiche wie die Personalentwicklung mehr Spielraum bieten, stellen medizinische Themen oft größere Herausforderungen dar.

Gerade dort, wo Kooperationsfelder anspruchsvoll sind, zeigt sich, wie Zusammenarbeit gelingen kann. Kooperation lässt sich nicht per Weisung durch die Geschäftsführung verordnen. Sie braucht Respekt, Geduld und das bewusste Zulassen von Entwicklungszeit, besonders bei schwierigen Themen. Vertrauen entsteht nicht durch Struktur allein, sondern durch gelebte Praxis. Erst über Best-Practice-Beispiele wächst die Bereitschaft, sich schrittweise auch an komplexere Projekte heranzuwagen.

Konkreter Nutzen für die Versorgung

Besonders sichtbar wird die Kooperation dort, wo sie die Versorgung der Menschen unmittelbar verbessert. So konnte in Braunau wieder eine urologische Versorgung aufgebaut werden, betrieben durch das Krankenhaus Ried. Umgekehrt unterstützt Braunau das BHS-Ried bei der psychiatrischen Konsiliarversorgung.

Wissensaustausch statt Konkurrenz

Ressourcen werden auf mehreren Ebenen fair geteilt. Führungskräfte aus Braunau sind in Managementteams und Netzwerken der Vinzenz Gruppe eingebunden. Fachverantwortliche beider Häuser tauschen sich regelmäßig aus, um ein gemeinsames Bild von Versorgungszielen zu entwickeln.

Auch in der Ausbildung setzt man auf Ergänzung statt Doppelgleisigkeit: Während in Braunau die Ausbildung für Operationstechnische Assistent*innen verankert ist, liegt der Schwerpunkt in Ried auf der akademischen Pflegeausbildung. Kooperation bedeutet hier bewusste Schwerpunktsetzung und nicht Gleichmacherei.

Kooperation als Zukunftsmodell

Für Minihuber hat dieses Modell Vorbildcharakter und zwar weit über Ordensspitäler hinaus. Voraussetzung ist die Bereitschaft, sich als Teil eines größeren Ganzen zu verstehen. Denn das Gesundheitswesen wird zunehmend komplexer: Der Fachkräftemangel spitzt sich zu, medizinische Leistungen werden in Kompetenzzentren gebündelt, technologische Entwicklungen verändern Abläufe und Anforderungen grundlegend. Allein wird es damit immer schwieriger, tragfähige Lösungen zu entwickeln.

Entsprechend klar fällt sein Rat aus: Kooperation erfordert Mut und Ausdauer. Sie ist kein kurzfristiger Deal, sondern auf Nachhaltigkeit angelegt. Nicht alles geht schnell. Doch was trägt, braucht Zeit, um zusammenzufinden.

Fotos: Titelbild (c) KH BHS Ried/Hirnschrodt

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