Küchenteam (c) St. Josef Krankenhaus Wien
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So retten Spitäler Lebensmittel

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In Österreich landet jährlich eine Million Tonnen Brot, Gemüse & Co. im Müll. Krankenhäuser der Vinzenz Gruppe wurden für die Verringerung von Lebensmittelabfall ausgezeichnet.

Nicht aufgegessene Hauptspeisen, weil für kleine Mägen zu viel auf dem Teller war. Oder Salate, die nicht jedem Kind schmecken und übrigbleiben. Auf den Tischen von Schulkantinen entsteht oft viel Lebensmittelabfall. Zur Beobachtung von Letzterem wurde von „United Against Waste“ das Groß-Küchenmonitoring-System MONEYTOR ins Leben gerufen. Es überprüft und zeigt, wie viele Essensreste von Küchenbetrieben im Müll landen. Also wertvolle Nahrungsmittel und bares Geld. In Zeiten von Teuerung und Budgetkrise sind vermeidbare Speiseabfälle auch ein empfindlicher finanzieller Verlust. Zudem sollten Restportionen besser Bedürftigen zugutekommen, anstatt weggeworfen zu werden.

Dank des neuen Programms wird der Entsorgung hochwertiger Mahlzeiten mittlerweile erfolgreich der Kampf angesagt. Teilnehmende Bildungseinrichtungen verringern damit deutlich die Überbleibsel von Gerichten. An machen Standorten werden zur besseren Speiseplanung sogar ganze Klassen in die Menüzusammenstellung eingebunden. Die in punkto Lebensmittelrettung besten Wiener Schulen wurden von Vizebürgermeisterin Bettina Emmerling und Umweltstadtrat Jürgen Czernohorszky bereits ausgezeichnet.

Bis 135 kg Abfall pro Person

Dass der Kampf gegen Lebensmittelverschwendung dringend nötig ist, beweisen aktuelle Zahlen. In Österreich landet jährlich rund eine Million Tonnen genießbarerer Speisen auf dem Müll. Damit entstehen pro Person rund 75 bis 135 Kilogramm Lebensmittelabfall im Jahr. Ein Haushalt entsorgt im Schnitt also Obst, Gemüse, Fleisch und Brot im Wert von zirka 800 Euro. Mehr als die Hälfte davon entsteht in Privathaushalten.

Doch auch Großküchen und Kantinen in Unternehmen können sprichwörtlich einsparen. So beteiligen sich am Speiseabfallmonitoring-System auch rund 60 Wiener Außer-Haus-Verpflegungsbetriebe, beispielsweise die Restaurants von Wiener Linien und TÜV AUSTRIA Technology & Innovation Center. Auch Einrichtungen der Vinzenz Gruppe sind hier an Bord. Sie haben strenge Regeln, was den Umgang mit wertvollen Ressourcen wie Lebensmitteln betrifft. Unberührte Speisen werden hier also nicht achtlos weggeworfen.

Das St. Josef Krankenhaus Wien liegt im Bereich Spitäler sogar an der Spitze von MONEYTOR, unter den besten drei. Für die Verringerung seines Lebensmittelabfalls wurde es im Vergleichsjahr 2024 mit der „Best-of-Austria“-Urkunde ausgezeichnet. Obwohl die Ausspeisungsmenge gestiegen ist, gelang die deutliche Reduktion des Speiseabfalls im Vergleich zum Vorjahr. Küchenchef Mathias Breindl ist stolz auf die Auszeichnung. „Wir arbeiten auch weiterhin daran, unsere Ressourcen verantwortungsvoll einzusetzen, in Richtung mehr Nachhaltigkeit und weniger Verschwendung.“ So werden Menüs beispielsweise genauer bestellt, indem Portionsgrößen geändert oder einzelne Komponenten gestrichen wurden. „Außerdem haben wir das Zeitfenster erweitert, indem Essen bestellt oder abbestellt werden kann.“

(c) Göttlicher Heiland Krankenhaus Wien
(c) Göttlicher Heiland Krankenhaus Wien
United against waste (c) Göttlicher Heiland Krankenhaus Wien
(c) Göttlicher Heiland Krankenhaus Wien
United against waste (c) Göttlicher Heiland Krankenhaus Wien

Küchenleiter als Food-Waste-Coach

Auch das Göttlicher Heiland Krankenhaus Wien wurde für die Reduktion im Jahr 2024 als ‚Top-Standort‘ mit der MONEYTOR-Urkunde ausgezeichnet und zählt ebenfalls zum besten Drittel der Spitäler. Küchenleiter Christian Stojcic wurde durch das Programm zur Zusatzausbildung zum Food-Waste-Coach motiviert und führte erfolgreiche Neuerungen ein. So konnte sein Team die Menge an Küchenabfall 2024 im Vergleich zum Vorjahr deutlich reduzieren. Das gelang durch die Evaluierung der Beliebtheit von Gerichten, Anpassung des Speiseplans, Optimierung der Datenerfassung und Verbesserung der Lebensmittellagerung inklusive rechtzeitigem Verbrauch – nach dem Prinzip ‚first in, first out‘. Stojcic und seine Kolleg*innen bewiesen, dass auch in der Großküche eine nachhaltige Verpflegung möglich ist.

Im Oktober des Vorjahres erhielt die Fachklinik vom Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz sowie des Kompetenzzentrums für Klima und Gesundheit der Gesundheit Österreich GmbH außerdem den Best Practice Award 2025 für klimaneutrale Gesundheitseinrichtungen in der Kategorie Abfall- und Ressourcenmanaget sowie nachhaltige Beschaffung. Für Geschäftsführerin Mag.a KR.in Michaela Latzelsberger ist die Auszeichnung die Anerkennung jahrelanger Arbeit. „Sie bedeutet uns sehr viel.“ Schließlich wurden durch regelmäßige Abfallanalysen die Ursachen für Lebensmittelverluste identifiziert und beseitigt. Einmal pro Woche spendet das Krankenhaus übrig gebliebene Mahlzeiten an eine Organisation, die hilfsbedürftige Menschen unterstützt. „In unserem Haus, das von Ordensschwestern gegründet wurde, ist das fest verankert.“ Ein Schritt für mehr Nachhaltigkeit sowie Nächstenliebe.

Fotos: Titelbild (c) St. Josef Krankenhaus Wien; Galerie (c) Krankenhaus Göttlicher Heiland

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