
Wundmanagement betrifft viele Patient*innen und gilt als Kompetenz, die von mehreren Gesundheitsberufen gefordert wird. Daher ist es wichtig, Weiterbildung teamorientiert und berufsübergreifend wahrzunehmen, um ein entsprechend hohes Behandlungsniveau zu garantieren.
Text: Birgit Weilguni
Wundmanagement ist ein Bereich mit erheblichem Entwicklungspotenzial, ist Mag.a Martina Kuttig, Leiterin des Fachbereichs Pflegewissenschaft an der Donau-Universität Krems – Universität für Weiterbildung, überzeugt. „Besonders der Versorgung chronischer und komplexer Wunden wird häufig zu spät oder nicht umfassend genug Beachtung geschenkt“, so die Expertin. „Flächendeckend implementierte, transprofessionelle Versorgungspfade und eine systematische Einbindung spezialisierter Fachpersonen fehlen.“
Derzeit sei die Erstattung spezialisierter Wundmanagement-Leistungen in Österreich uneinheitlich geregelt, kritisiert Kuttig. „Im stationären Bereich sind bestimmte Leistungen abgedeckt, aber im niedergelassenen und mobilen Bereich bestehen erhebliche Mängel an strukturierten Erstattungsmodellen.“ Daher müssten Patient*innen oft privat für die Versorgung aufkommen, weil die Leistungen von Wundmanager*innen nicht und jene von Ärzt*innen nicht leistungsgerecht über die Sozialversicherungsträger abgedeckt werden. „Diese Versorgungslücke macht die Etablierung eines umfassenden professionellen Wundmanagements nahezu unmöglich und hat direkte Auswirkungen auf die Versorgungsqualität“, bedauert Kuttig. Ein weiterer Bereich, der häufig im Anschluss an eine Wundbehandlung vernachlässigt wird, ist das Narbenmanagement. Auf eine begleitende Unterstützung in diesem Bereich legt Kuttig viel Wert, da „vor allem akute Erkrankungen wie maligne Tumoren oft jüngere Menschen betreffen oder Wunden in heiklen Bereichen wie im Gesicht hinterlassen“. Im Academic Expert Program der Universität für Weiterbildung Krems liegt daher ein Fokus auf dem Narbenmanagement aus präventiver Sicht.
Teil eines guten Wundmanagements sei im Übrigen auch die Einbindung von Zu- und Angehörigen, die oft maßgeblich an der Versorgung beteiligt sind. Ihre Schulung – vom Verbandswechsel über Hygienefragen bis zum Erkennen früher Komplikationsanzeichen – betrachtet Kuttig als integralen Bestandteil eines funktionierenden Wundmanagements. Ausbildungsmodule für Angehörige werden angeboten, damit gezielt Wissen und Sicherheit erworben werden können.

Die gemeinsame Weiterbildung stärkt nicht nur das Fachwissen einzelner Berufsgruppen, sondern vor allem die Zusammenarbeit im Team – und genau das ist entscheidend für eine erfolgreiche Wundheilung.
Mag.a Martina Kuttig
Als Wundmanager*innen eignen sich vor allem Berufsgruppen, die regelmäßig mit der Versorgung von Menschen mit akuten oder chronischen Wunden befasst sind. Dazu zählen in erster Linie die Pflegeberufe, die im Krankenhaus, in Pflegeheimen oder in der mobilen Pflege arbeiten. Sie sind häufig jene, die Wunden beurteilen, Verbände wechseln, den Heilungsverlauf beobachten und Patient*innen sowie Angehörige anleiten. „Auch Ärzt*innen und Ärzte – etwa aus der Allgemeinmedizin, Gefäßchirurgie oder Dermatologie – profitieren von einer spezialisierten Weiterbildung“, fügt Kuttig hinzu. Ergänzt wird das Team durch Therapeut*innen, etwa aus der Physiotherapie, Podologie oder Diätologie.
„Weiterbildungen im Bereich Wundmanagement stehen heute nicht mehr ausschließlich Ärzt*innen, sondern – je nach Ausrichtung – einem breiten Spektrum an Gesundheitsberufen offen“, so Kuttig. Angeboten würden sie als berufsbegleitende Kurse, Zertifikatslehrgänge oder im Rahmen akademischer Programme an Fachhochschulen und Universitäten. „Die Inhalte reichen von der Entstehung und fachlichen Beurteilung von Wunden über evidenzbasierte Therapieansätze bis hin zu Hygiene, strukturierter Dokumentation sowie der Anleitung und Schulung von Patientinnen, Patienten und An- und Zugehörigen“, weist die Expertin auf die fundierte Ausbildung hin. Besonders wichtig sei dabei der interprofessionelle Ansatz: „In diesen Weiterbildungen lehren und lernen unterschiedliche Berufsgruppen. Genau diese Zusammenarbeit auf Augenhöhe bildet die Realität der Wundversorgung ab – denn eine qualitätsvolle Behandlung komplexer oder chronischer Wunden gelingt nur im koordinierten Zusammenspiel verschiedener Professionen“, sagt Kuttig.
Moderne Wundversorgung ist immer Teamarbeit. Medizin, Pflege und Therapie greifen dabei eng ineinander: „Ärzt*innen stellen die medizinischen Diagnosen und legen die ärztliche Therapie fest. Pflegeexpert*innen nehmen eine zentrale koordinierende Rolle ein: Zu ihren Aufgaben zählen das Care- und Case-Management, also die Organisation, Abstimmung und kontinuierliche Begleitung der Versorgung über Berufs- und Sektorengrenzen hinweg. Darauf aufbauend verantworten sie die laufende Wundbeurteilung und Wundversorgung, Maßnahmen zur Förderung der Therapietreue sowie die Beratung und Begleitung von Betroffenen und Angehörigen“, erklärt die Expertin. Ein wesentlicher Bestandteil ihrer Tätigkeit sei zudem die eigenständige pflegerische Diagnostik und Therapie. Diese ist insbesondere in komplexen und chronischen Wundsituationen von Bedeutung, da hier häufig mehrere Erkrankungen gleichzeitig vorliegen und funktionelle sowie psychosoziale Einschränkungen – etwa Immobilität oder sozialer Rückzug – die Versorgung zusätzlich beeinflussen. Therapeutische Berufsgruppen unterstützen den Heilungsprozess unter anderem durch Mobilisation, Druckentlastung oder ernährungsbezogene Maßnahmen, die für eine erfolgreiche Wundheilung entscheidend sind.
„Wundmanagement ist heute ein eigenständiges, berufsübergreifendes Kompetenzfeld. Die gemeinsame Weiterbildung stärkt nicht nur das Fachwissen einzelner Berufsgruppen, sondern vor allem die Zusammenarbeit im Team – und genau das ist entscheidend für eine erfolgreiche Wundheilung“, fasst Kuttig abschließend zusammen.
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